In der Episode des Podcasts „Männer weinen heimlich“ führt Host Sebastian Tigges ein biografisches Gespräch mit dem Social-Media-Unternehmer Niclas Kroll. Im Fokus stehen Krolls persönliche Entwicklung von einem ziellosen jungen Mann im Berliner WG-Leben des Jahres 2013 hin zum strategischen Kopf hinter dem Firmenimperium seiner Frau, der bekannten Influencerin Carmen Kroll. Das Gespräch ist stark von einem unternehmerischen Deutungsmuster geprägt. Private Beziehungen und Familie werden wiederholt als effizientes Wirtschaftskonstrukt gerahmt, in dem Partner:innen wie CEOs agieren und unerbittliche Leistungsbereitschaft als Basis für Erfolg vorausgesetzt wird. Gleichzeitig wird eine moderne Männlichkeit verhandelt, die sich vermeintlich von toxischem Ego löst, jedoch auf einer tief verankerten Gegenüberstellung von männlicher Rationalität und weiblicher Emotionalität basiert, die zu keinem Zeitpunkt hinterfragt wird. ### Zentrale Punkte * **Verlust als Selbstfindung** Kroll schildere, dass eine Phase der kompletten Entwurzelung und Einsamkeit in Berlin essenziell gewesen sei, um den eigenen Wertekompass fernab von familiären Erwartungen neu auszurichten. * **Ehe als Businessmodell** Eine funktionierende Beziehung müsse wie ein Unternehmen geführt werden, in dem beide Partner:innen als gemeinsame Geschäftsführung agieren und komplementäre, effiziente Rollen übernehmen würden. * **Rationale Beschützerrolle** Er positioniere sich als der strategische Part, der Druck aushalte und geschäftliche Grenzen setze, während seine Frau den emotional-empathischen und schöpferischen Gegenpol bilde. * **Kampf um Sichtbarkeit** Trotz seiner gewählten Hintergrundrolle verspüre er das Bedürfnis nach eigener öffentlicher Bühne, primär um seine Frau zu entlasten, aber auch um einer empfundenen eigenen Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken. ### Einordnung Die Episode bietet einen authentischen Einblick in die psychologischen Dynamiken einer modernen Influencer-Ehe. Tigges gelingt es durch geduldiges, empathisches Nachfragen, die Ambivalenz seines Gastes zwischen dienender Hintergrundrolle und dem eigenen Geltungsbedürfnis fein herauszuarbeiten. Auffällig ist jedoch, wie selbstverständlich durch und durch kapitalistische Logiken auf das Privatleben übertragen werden: Das gemeinsame Leben wird als „Company“ betrachtet, Kinder fungieren im familiären Diskurs als „Stakeholder“. Zudem reproduziert Kroll bei der Rollenverteilung unhinterfragt traditionelle Geschlechterklischees. Er inszeniert sich als rationaler Stratege, der die rein emotional handelnde Frau vor der Öffentlichkeit und dem Burnout beschützen müsse. Dies wird als Entlastung deklariert, trägt jedoch stark paternalistische Züge: „Und ich kann auch sehr gut also Bullshit nehmen, heißt, wenn es irgendwo mal knirscht, dann regele ich das, weil Kam sehr emotional und sehr empathisch ist und immer nur will, dass alle in Harmonie leben“. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die sich für die Schnittstelle zwischen moderner Beziehungsführung, männlicher Identität und der Lebensrealität im Social-Media-Business interessieren. ### Sprecher:innen * **Sebastian Tigges** – Host, Podcaster und Creator * **Niclas Kroll** – Unternehmer und Ehemann/Geschäftspartner von Carmen Kroll