Am 26. März 2025 veröffentlichte das IOC eine neue Teilnahmerichtlinie für die Frauen-Kategorie im Olympischen Sport. Künftig müssen alle Frauen und Mädchen einen Gentest auf das SRY-Gen absolvieren; ein positives Ergebnis führt zum Ausschluss aus Wettkämpfen – es sei denn, vollständige Testosteron-Unempfindlichkeit kann nachgewiesen werden. Betroffen seien vor allem Transfrauen sowie die Mehrheit von Frauen mit Geschlechtsvariationen. Das bedeutet eine Rückkehr zu einem Regime, das vor knapp 30 Jahren wegen wissenschaftlicher, ethischer und praktischer Probleme aufgegeben worden war.
Die Autor:innen des Verfassungsblogs – Rechtswissenschaftler:innen, die sich selbst als Teil der Gruppe internationaler Rechtsexpert:innen beschreiben, die gegen die Richtlinie Stellung bezogen haben – liefern eine dreifache Kritik. Die IOC-Arbeitsgruppe, die einen „wissenschaftlichen Konsens" festgestellt haben soll, arbeitete vollständig intransparent: weder Mitgliederliste noch Ergebnisse wurden veröffentlicht, eine Fachbegutachtung fand nicht statt. Erwartet würde eine diverse, transparente Gruppe renommierter Wissenschaftler:innen mit offenen Debatten und Publikation in einer Fachzeitschrift – nicht eine anonyme Runde hinter verschlossenen Türen. Tatsächlich sei die Forschungslage zur sportlichen Leistungsfähigkeit von Trans- und Intergeschlechtlichkeits-Athletinnen unter Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen hoch umstritten, und empirische Daten seien äußerst begrenzt.
Auch die behauptete gesellschaftliche Legitimation durch Athletinnenbefragungen gilt den Autor:innen als Scheinprozess: Stichprobe, Fragen und Ergebnisse blieben unveröffentlicht, und es sei kaum vorstellbar, dass das IOC keinen Einfluss auf Zusammensetzung und Fragestellung gehabt habe – beides könne Ergebnisse leicht in eine gewünschte Richtung lenken. Rechtlich sehen die Autor:innen erhebliche Angriffsflächen: In vielen Ländern sei anlassloser Gentest ohne medizinischen Zweck illegal oder gar strafbar, und selbst IOC-Präsidentin Coventry habe eingestanden, dass Athletinnen zum Testen womöglich ins Ausland ausweichen müssten.
Za