Bis zu 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ADHS hätten Einschlafprobleme, erklärt der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Dirk Heinicke in dieser Podcast-Folge. Das Gespräch bewegt sich im Spannungsfeld zwischen verhaltenstherapeutischen Ansätzen und medikamentöser Unterstützung. Als selbstverständlich vorausgesetzt wird dabei, dass eine pharmazeutische Lösung – konkret verschreibungspflichtiges Melatonin – der richtige nächste Schritt sei, wenn Rituale nicht ausreichen. Die Existenz frei verkäuflicher Alternativen wird vor allem unter dem Aspekt mangelnder Qualitätskontrolle als Risiko dargestellt.

Zentrale Punkte

  • Schlafhygiene als Fundament Vor jeder medikamentösen Gabe stünden nicht-medikamentöse Maßnahmen. Feste Abendrituale, eine reizarme Schlafumgebung und vor allem der Verzicht auf Bildschirme oder die Nutzung von Blaulichtfiltern seien entscheidend, um das nicht zur Ruhe kommende ADHS-Gehirn auf die Nacht vorzubereiten.
  • Melatonin ist nicht gleich Melatonin Es wird ein strikter Unterschied gemacht zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln. Aufgrund schwankender Wirkstoffkonzentrationen sei frei verkäufliches Melatonin unkontrolliert und unzuverlässig, während geprüfte Medizinprodukte eine steuerbare Alternative für die Einschlafstörung böten.

Einordnung

Die Folge bietet einen klar strukturierten, praxisnahen Überblick zum Thema ADHS und Schlaf. Die besondere Stärke liegt in der Differenzierung zwischen frei verkäuflichen und verschreibungspflichtigen Melatonin-Präparaten – ein für Eltern hochrelevanter Hinweis, der vor trügerischen Versprechungen auf dem Markt für Nahrungsergänzungsmittel schützt.

Die Perspektive verbleibt jedoch eng bei der medikamentös-pharmakologischen Logik. Strukturelle oder gesellschaftliche Gründe für Schlafprobleme, etwa Leistungsdruck oder familiäre Belastungen, werden nicht erwähnt. Dass eine ärztliche „Eskalation“ hin zum Medikament der alternativlose Pfad sei, wird argumentativ gesetzt. Auch die Rolle der Pharmaindustrie bleibt unreflektiert, obwohl der Podcast in Zusammenarbeit mit einem Arzneimittelhersteller entsteht. Die Folge liefert Denkanstöße, lädt aber nicht dazu ein, die Grenzen eines rein medizinischen Blicks auf kindlichen Schlaf zu hinterfragen.

Hörempfehlung: Für Eltern und Behandelnde, die wissen wollen, wann Melatonin sinnvoll ist und worauf sie bei Produkten achten müssen.

Sprecher:innen

  • Dr. med. Dirk Heinicke – Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Chefarzt Kinderklinik Bavaria Kreischa
  • N.N. (Interviewer:in) – Moderator:in des Podcasts