Die Episode kreist um die kürzliche Pentagon-Entscheidung, das US-Indo-Pazifik-Kommando (INDOPACOM) wieder in Pazifik-Kommando (PACOM) umzubenennen. Gastgeber Mike Green und sein Gast Arzan Tarapore nehmen diesen Anlass, um grundsätzlicher über die strategische Rolle Indiens und des Indischen Ozeans in der amerikanischen Sicherheitspolitik nachzudenken. Im Gespräch wird die Frage verhandelt, ob die Namensänderung eine tiefere Trendwende signalisiere oder lediglich kosmetischer Natur sei. Dabei schwingt stets die unausgesprochene Annahme mit, dass die Einbindung Indiens ein zentraler Pfeiler der US-Strategie im Wettbewerb mit China bleiben müsse. Ein großer Teil der Diskussion driftet jedoch in eine persönlich gefärbte Rückschau auf die Erfahrungen beider Gesprächspartner nach 9/11 ab, was den analytischen Kern der Folge spürbar verdünnt.

Zentrale Punkte

  • Namensänderung als politisches Signal Die Streichung des „Indo“-Zusatzes sei mehr als eine semantische Korrektur; sie könne als Signal an Verbündete wie Indien oder Australien gewertet werden, dass das strategische Interesse Washingtons am Indischen Ozean schwinde.
  • Institutionelle Zwangsläufigkeit nach 9/11 Die komplette strategische Umorientierung auf den Nahen Osten nach den Anschlägen sei keine bewusste Vernachlässigung Chinas gewesen, sondern eine zwingende, fast schon reflexhafte Neuausrichtung des gesamten nationalen Sicherheitsapparates.

Einordnung

Das Gespräch lebt von der fachlichen Tiefe und den persönlichen Einblicken der beiden Teilnehmer, die beide in den entscheidenden Jahren nach 2001 im Regierungsapparat tätig waren. Ihre Schilderung, wie das institutionelle „Muskelgedächtnis“ des Sicherheitsapparats nach 9/11 über Nacht umgepolt wurde, ist anschaulich und bietet einen differenzierten Blick auf einen oft verkürzt kritisierten Wendepunkt. Gerade Tarapores Reflexion über die „Hysterie“ der Zeit und die eigene anfängliche Überzeugung, die Neuausrichtung sei alternativlos, gibt dem strategischen Rückblick eine seltene persönliche Note.

Die Analyse der Namensänderung selbst bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Es wird kaum vertieft, welche konkreten operativen oder bündnispolitischen Konsequenzen die Rückbenennung haben könnte. Das zentrale geopolitische Thema – die künftige Rolle des Indischen Ozeans – wird durch den langen Exkurs über 9/11 und die Karrierewege der Sprecher fast vollständig überlagert. Die Diskussion setzt zudem unhinterfragt voraus, dass die militärische Integration Indiens in US-geführte Kommandostrukturen ein positiver und notwendiger Schritt sei, ohne mögliche regionale Gegenreaktionen oder indische Vorbehalte gegen eine zu enge Anbindung ausreichend zu problematisieren. Ein erhellendes Zitat zur Macht institutioneller Trägheit: Es sei „nicht einfach ein Versehen, dass wir den Ball aus den Augen verloren haben. Es war ein institutioneller Imperativ, der so mächtig war, dass er wirklich nur von einer noch größeren, noch mächtigeren, noch drängenderen Bedrohung überwunden werden konnte“ (Arzan Tarapore).

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die sich für die prägenden Jahre der US-Außenpolitik nach 9/11 und persönliche Einblicke aus Canberra und Washington interessieren, bietet die Folge trotz ihres aktuellen Aufhängers historischen Mehrwert.

Sprecher:innen

  • Mike Green – Gastgeber; Henry A. Kissinger Chair am CSIS; CEO des United States Studies Centre, Sydney
  • Arzan Tarapore – Gast; Gastwissenschaftler an der Hoover Institution, Stanford; Experte für Indien und den Indischen Ozean