David Roberts spricht mit Grant Gunnison, dem Gründer von Zero Homes, über den frustrierenden Alltag von Hausbesitzer:innen und Handwerksbetrieben bei der energetischen Sanierung. Der Prozess für den Einbau einer Wärmepumpe sei geprägt von einer Flut an Vor-Ort-Besuchen, wild abweichenden Angeboten und einer notorisch schlechten Planung, die oft zu ineffizienten und unbefriedigenden Ergebnissen führe. Als selbstverständlich wird dabei eine Diskrepanz vorausgesetzt: Während Hausbesitzer:innen in der Regel technische Laien seien, die sich nur auf ihr Bauchgefühl verlassen könnten, arbeiteten Handwerker:innen in einem zersplitterten System mit kaum standardisierten Abläufen und falschen Anreizen.

Die Kernidee von Zero Homes setzt voraus, dass die größte Hürde die physische Anwesenheit von Expert:innen vor Ort ist. Stattdessen soll eine von Hausbesitzer:innen selbst erstellte Videoaufnahme des Hauses die Basis für eine umfassende digitale Planung sein. Das Gespräch kreist um die Frage, ob sich die handwerkliche, extrem individuelle Arbeit der Haustechnik durch Software standardisieren und zentralisieren lässt, ohne dass die Qualität darunter leidet. Eine unausgesprochene Prämisse dabei ist, dass technologische Effizienz und eine bessere Kundenerfahrung die entscheidenden Hebel sind, um die stockende Energiewende im Gebäudesektor zu beschleunigen.

Zentrale Punkte

  • Ein Prozess, der alle verlieren lässt Der Ist-Zustand sei für alle Seiten eine Zumutung: Hausbesitzer:innen müssten Entscheidungen über Zehntausende Dollar auf Basis von vagen Schätzungen und „Bauchgefühl“ treffen, während Handwerker:innen extrem viel unbezahlte Zeit in Vertrieb und fehleranfällige Planung steckten, was ihre Margen schmälere und den Einbau von Wärmepumpen im Vergleich zu Gasheizungen betriebswirtschaftlich unattraktiv mache.
  • Das Problem der falsch dimensionierten Wärmepumpen Gunnison zufolge seien 70 bis 90 Prozent der installierten Wärmepumpen in den USA aufgrund von Planungsfehlern deutlich ineffizienter als möglich. Die bei Gasheizungen übliche Praxis des großzügigen Überdimensionierens führe bei Wärmepumpen zu exorbitanten Mehrkosten oder schlechter Leistung, was bereits zu einer spürbaren Gegenreaktion bei Verbraucher:innen und einem Vertrauensverlust in die Technologie geführt habe.
  • Der 3D-Scan als digitaler Hausbesuch Der Kern des Geschäftsmodells sei ein 15-minütiger Videoscan, mit dem Hausbesitzer:innen ihr Haus mit dem Smartphone erfassen. Die Software erstelle daraus ein auf wenige Zentimeter genaues 3D-Modell, das die Grundlage für eine vom Unternehmen zentral durchgeführte Heizlastberechnung (Manual J) liefere. Das Energieministerium DOE habe dem Verfahren bescheinigt, präziser und konsistenter zu sein als die durchschnittliche Bewertung eines Menschen vor Ort.
  • Ein neues Geschäftsmodell für das Handwerk Zero Homes wolle den Betrieben die komplette nicht-produktive Arbeit (Akquise, Planung, Design, Papierkram) abnehmen und ihnen fertig geplante Aufträge liefern. Das Unternehmen verdiene sein Geld nicht am Handwerk, sondern durch die Reduzierung der bisherigen Overhead-Kosten, die etwa 40 Prozent des Auftragsvolumens ausmachten. So könne die Kundschaft einen besseren Service zum gleichen oder niedrigeren Preis erhalten, während die Betriebe pro Arbeitsstunde mehr verdienten.

Einordnung

Die Episode liefert eine prägnante Problemdiagnose des stockenden Wärmepumpenhochlaufs und stellt einen konkreten, vielversprechenden Lösungsansatz vor. Die Stärke des Gesprächs liegt im Perspektivwechsel: Statt den Fokus einseitig auf das Hausbesitzer:innen-Erlebnis zu legen, beleuchtet es ausführlich die wirtschaftlichen Zwänge von Handwerksbetrieben und macht so die strukturellen Hürden für die Energiewende im Gebäudesektor verständlich. Besonders überzeugend ist die detaillierte Erklärung, warum die pauschale Überdimensionierung, die bei einer Gasheizung nur 500 Dollar kostet, bei einer Wärmepumpe schnell 10.000 bis 20.000 Dollar ausmachen kann – ein handfestes Argument, das die Notwendigkeit präziser digitaler Planung unterstreicht. „This is a hard problem, and that in order for us to solve the symptoms, we actually have to just make the problem easier,“ bringt Gunnisons pragmatische Sicht auf den Punkt, die eine pauschale Schuldzuweisung an das Handwerk vermeidet.

Die Darstellung ist jedoch stark von einer Tech-Start-up-Logik geprägt, die Technologie per se als neutralen Problemlöser sieht. Die Lösung zielt in ihrer Markteinführungsphase auf eine technikaffine und planungsbereite Klientel, die den 15-minütigen Scan durchführt – eine Hürde, die im Gespräch im Kontrast zu der geschilderten Arbeit mit einkommensschwachen oder nicht englischsprachigen Haushalten steht, ohne dass dieser Widerspruch von Roberts kritisch nachgehakt wird. Zudem bleibt die Frage der Marktmacht ungestellt: Das Modell schafft eine zentrale Vermittlungsinstanz, die den Kundenzugang kontrolliert und Handwerksbetriebe zu reinen Ausführungsorganen machen könnte. Die Abhängigkeit von Förderprogrammen wird zwar als stabil beschrieben, die politische Verwundbarkeit dieses Geschäftsmodells – etwa durch einen radikalen Politikwechsel in der Energieeffizienz-Förderung – bleibt jedoch außen vor. Der Datenschutz bei den hochsensiblen 3D-Scans der Innenräume wird erst auf Nachfrage und mit einem eher allgemein gehaltenen Versprechen behandelt.

Hörempfehlung: Eine lohnende Folge für alle, die verstehen wollen, warum die energetische Sanierung in den USA so schleppend verläuft und wie eine durchdachte Digitalisierung mehr bewirken könnte als bloße Förderschecks.

Sprecher:innen

  • David Roberts – Host von Volts, seit fast 20 Jahren auf Energie- und Klimathemen spezialisiert.
  • Grant Gunnison – Gründer und CEO von Zero Homes, kommt aus einer Familie von Bauhandwerker:innen.