Systemrelevant - Fakten für eine demokratische und nachhaltige Wirtschaft: Iran-Krieg: Wie stark trifft er die deutsche Wirtschaft?
Wie ein Konflikt im Iran die deutsche Wirtschaft trifft und warum die EZB jetzt nicht die Zinsen erhöhen darf.
Systemrelevant - Fakten für eine demokratische und nachhaltige Wirtschaft
38 min read1906 min audioIn der Episode diskutieren Marco Herack und IMK-Direktor Sebastian Dullien die ökonomischen Folgen eines eskalierten Nahostkonflikts anhand der aktuellen IMK-Konjunkturprognose. Das Gespräch behandelt gestörte globale Lieferketten, steigende Energiepreise und mögliche wirtschaftspolitische Reaktionen des Staates.
Makroökonomisches Wachstum wird in der gesamten Diskussion als zwingender Normalzustand vorausgesetzt, der durch externe Krisen als "Schocks" gestört werde. Der Krieg selbst fungiert in der Konversation primär als technokratische Variable zur Berechnung von Lieferengpässen und Preissteigerungen, während geopolitische Ursachen oder humanitäre Dimensionen diskursiv komplett ausgeblendet bleiben.
### Zentrale Punkte
* **Kaskadeneffekte durch Lieferengpässe**
Dullien erkläre, dass die Blockade der Straße von Hormus das deutsche Wachstum massiv dämpfe. Neben den globalen Energiemärkten seien vor allem Vorprodukte wie Düngemittel stark betroffen.
* **Kritik an Marktanpassungsmythen**
Die theoretische Vorstellung einer schnellen marktwirtschaftlichen Anpassung weise Dullien als historisch falsch zurück. Strategische Industrien müssten durch den Staat proaktiv geschützt werden.
* **Warnung vor der Zinspolitik**
Eine drohende Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank als Reaktion auf steigende Energiepreise berge laut Dullien die große Gefahr, die Bauwirtschaft abzuwürgen und die Krise zu verschärfen.
### Einordnung
Der Podcast besticht durch eine detaillierte Aufschlüsselung, wie sich geopolitische Krisen über komplexe Lieferketten bis in die deutsche Binnenwirtschaft durchfressen. Positiv fällt auf, dass neoliberale Prämissen – wie die schnelle Selbstheilungskraft der Märkte – argumentativ stark hinterfragt werden. Problematisch bleibt jedoch die rein technokratische Rahmung: Der militärische Konflikt dient hier ausschließlich als berechenbare Störgröße für Wachstumsdellen. Zudem wird bei dem Ruf nach staatlicher Absicherung eine geostrategische Systemkonkurrenz (etwa gegenüber China) als selbstverständlich hingenommen, ohne diese Logik weiter zu problematisieren.
**Hörempfehlung**: Lohnt sich für Hörer:innen, die an einer progressiven, makroökonomischen Analyse globaler Krisen abseits reiner Marktlogik interessiert sind.
### Sprecher:innen
* **Marco Herack** – Moderator
* **Sebastian Dullien** – Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)