Sarah Maria Sander – Schauspielerin, Drehbuchautorin, mittlerweile Journalistin – schildert in dieser Episode von Based., wie sie aus einem Kinofilmprojekt ausgeschlossen wurde, für das sie selbst das Drehbuch verfasst hatte. Der Grund, so ihre Darstellung, sei ihre öffentliche pro-israelische Haltung gewesen; die Produktionsfirma habe argumentiert, Festivals und Agenturen würden den Film wegen ihrer Beteiligung meiden. Das Gespräch bewegt sich von diesem konkreten Vorfall zu grundsätzlicheren Fragen: Wie sicher können sich Jüdinnen und Juden in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 fühlen? Wie geht die Kulturbranche mit Israel-bezogenen Positionen um? Die Moderatoren Benjamin Scherp und Dominik Steffens verstehen sich dabei als neugierige, unvoreingenommene Zuhörer, die Sanders Perspektive möglichst ungefiltert einfangen wollen.
Zentrale Punkte
- Rauswurf wegen Israel-Haltung Sander sei aus einem Film entfernt worden, bei dem sie vertraglich die Hauptrolle zugesichert bekommen habe. Ihre pro-israelische Positionierung sei von Produktionsseite als zu großes Risiko für Festivals und Kooperationspartner dargestellt worden – eine Entwicklung, die sie als exemplarisch für die deutsche Kulturbranche nach dem 7. Oktober 2023 beschreibe.
- Alltag unter permanenter Bedrohung Sander schildere, sie könne sich in Berlin kaum noch frei bewegen, erhalte Hunderte Mord- und Vergewaltigungsdrohungen und stehe in Kontakt mit dem LKA. Diese Bedrohungslage sei für sie kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, die alle treffe, die sich öffentlich für Israel einsetzten.
- Oberflächlicher Aktivismus der Kulturszene Die offenen Briefe und Positionsbekundungen vieler Kulturschaffender zum Nahostkonflikt kritisierte Sander als oft gedankenlos und ohne tiefere Auseinandersetzung. Es gehe den Unterzeichnenden mehr darum, Haltung zu simulieren, als sich wirklich mit der Komplexität des Themas zu befassen – das sei Heuchelei, die realen Menschen schade.
Einordnung
Die Episode gibt Sarah Maria Sander viel Raum, ihre persönliche Geschichte und ihre Sicht auf Antisemitismus in Deutschland ausführlich darzulegen. Die Moderatoren stellen nachfragende, aber nicht konfrontative Fragen – das ermöglicht dichte Schilderungen, etwa zur konkreten Bedrohungslage oder zu den juristischen Feinheiten des Filmstreits. Gerade die Details zum einstweiligen Verfügungsverfahren und zur Frage, warum das Gericht den Dreh nicht stoppte, bieten eine selten gehörte Innensicht auf die Dynamik solcher Auseinandersetzungen.
Allerdings ist das Format deutlich als affirmatives Gespräch angelegt: Die Moderatoren hinterfragen Sanders Aussagen kaum, alternative Deutungen ihres Falls – etwa die von der Produktionsfirma angeführten produktionstechnischen Gründe – werden nur kurz erwähnt und nicht vertieft. Der Begriff „Cancel Culture" strukturiert das Gespräch, ohne dass geprüft würde, ob der Rauswurf tatsächlich politisch motiviert war oder ob hier ein arbeitsrechtlicher Konflikt politisch gerahmt wird. Dass die Gegenseite vor Gericht zunächst Erfolg hatte, bleibt weitgehend unerörtert. Auch die Darstellung der Kulturbranche als monolithisch anti-israelischer Block wird nicht durch Gegenbeispiele oder Binnendifferenzierungen relativiert. Ein Zitat illustriert, wie pauschal diese Zuschreibung erfolgt: „es war nicht so offensichtlich, aber jetzt ist es ähm einfach wirklich wirklich ziemlich ähm offengelegt".
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die verstehen wollen, wie sich die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Deutschland seit dem 7. Oktober konkret anfühlt, bietet die Episode eine eindrückliche Schilderung – vorausgesetzt, man ist bereit, die einseitige Perspektive als solche einzuordnen.
Sprecher:innen
- Sarah Maria Sander – Schauspielerin, Drehbuchautorin, angehende Journalistin bei Axel Springer
- Benjamin Scherp – Co-Host von Based., Journalist
- Dominik Steffens – Co-Host von Based., Journalist