In dieser Spezialausgabe von „Bern Einfach“ spricht Dominik Feusi mit Res Schmid, dem langjährigen Nidwaldner Bildungsdirektor. Schmid ziehe nach 16 Jahren Bilanz und sei überzeugt, dass es in der Schweizer Schule dringenden Handlungsbedarf gebe. Als Beispiele nennt er die integrative Schulform, den Lehrplan 21 und die Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen.
Das Gespräch bewegt sich in einem klar konservativen Deutungsrahmen: Bildung solle „neutral“ und leistungsorientiert sein, die Schule habe sich von Grundkompetenzen entfernt, und „Ideologie“ wird vor allem bei der Gegenseite verortet. Diese Annahmen werden im Interview nicht hinterfragt; Moderator und Gast stimmen weitgehend überein.
Zentrale Punkte
- Integrative Schule überfordere alle Schmid behaupte, die integrative Schule überfordere Lehrpersonen und verlangsame die Mehrheit, weil sehr unterschiedliche Bedürfnisse in einer Klasse zusammenkämen. Auch zusätzliche Heilpädagog:innen könnten das nicht auffangen.
- Lehrplan 21 habe Grundkompetenzen geschwächt Der Lehrplan 21 sei zu breit und setze keine Schwerpunkte mehr; darunter litten Lesen und Mathematik. Schmid habe in Nidwalden deshalb wieder mehr Deutsch- und Mathe-Lektionen eingeführt und damit den Abwärtstrend stabilisiert.
- Pädagogische Hochschulen vermittelten Ideologie Schmid kritisiere, dass an Pädagogischen Hochschulen politische Sichtweisen statt neutralem Wissen vermittelt würden – etwa zu Umwelt, Energie oder Sicherheitspolitik. Lehrmittel zeigten keine Autos, Raketen oder Kraftwerke mehr.
- Zu viele strebten ans Gymnasium Schmid stelle fest, dass der Anteil der Gymnasiast:innen in Nidwalden bei 18–20 Prozent gehalten werde, während andere Kantone höher lägen. Zu viele akademisch Ausgebildete fänden keinen passenden Arbeitsplatz.
Einordnung
Die Episode liefert einen authentischen Einblick in die bildungspolitische Praxis eines langjährigen kantonalen Bildungsdirektors. Konkrete Beispiele aus Nidwalden – etwa die Erhöhung der Deutsch- und Mathematiklektionen – machen seine Position nachvollziehbar. Für Hörer:innen, die sich für konservative Bildungspolitik interessieren, bietet die Folge eine kompakte Zusammenfassung entsprechender Kritikpunkte. Die Vertrautheit zwischen Moderator und Gast sorgt für ein flüssiges, meinungsstarkes Gespräch.
Die Auseinandersetzung bleibt jedoch innerhalb eines konservativen Deutungsrahmens: „Ideologie“ wird der Gegenseite zugeschrieben, die eigene Forderung nach „neutraler“ Bildung nicht reflektiert. Begriffe wie „verweichlicht“ oder „Leistung“ strukturieren die Diskussion, ohne definiert oder belegt zu werden. Empirische Belege fehlen; stattdessen stützt sich Schmid auf Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Wirtschaft. Perspektiven von Lehrpersonen, Schüler:innen oder Bildungsforscher:innen kommen nicht vor. Ein wörtliches Zitat illustriert den Duktus: „der merkt man gut das Vorbereitungs Schuls auf ist ja für sehr für verweichlicht worden“.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie bildungspolitische Kritik von rechts argumentiert wird, bietet die Episode einen klaren Einblick.
Sprecher:innen
- Dominik Feusi – Moderator von „Bern Einfach“ (Nebelspalter)
- Res Schmid – SVP-Bildungsdirektor des Kantons Nidwalden (16 Jahre)