Philipp Westermeyer spricht mit den Schwestern Marilena und Anna-Katharina Pfalstetter, die in vierter Generation 16 Edeka-Märkte in Bayern führen. Das Gespräch beleuchtet das Selbstverständnis selbstständiger Einzelhändler:innen innerhalb einer Genossenschaftsstruktur. Dabei werden unternehmerische Entscheidungen wie Wachstum, Sortimentsgestaltung und Wettbewerbsstrategien als natürliche Gegebenheiten präsentiert, ohne die zugrunde liegende marktökonomische Logik zu hinterfragen. Die Edeka-Identität wird als familiäre Tradition und fast schicksalhafte Bestimmung inszeniert.
Zentrale Punkte
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Genossenschaftsstruktur und Unabhängigkeit Die Pfalstetters beschrieben die Edeka als Genossenschaft, die Einkaufskonditionen, Marketing und Logistik biete, ohne Franchise-Gebühren zu erheben. Sie betonten, dass sie frei entscheiden könnten, welche Services sie nutzten, und bezeichneten die Bindung als "alternativlos" aufgrund ihrer Familiengeschichte.
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Wettbewerb und Preisdruck Sie schilderten einen harten Wettbewerb im ländlichen Raum, wo Kund:innen mobil seien und zwischen Discountern und Vollsortimentern wählen könnten. Preise würden vor allem bei Basisartikeln wie Butter und Wasser verglichen, wobei regionale Produkte als Differenzierungsstrategie dienten.
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Betriebsführung und Generationenwechsel Die Schwestern berichteten von ihrem Einstieg mit 18 Jahren nach dualer Ausbildung und betonten die Bedeutung von Ordnung, Verfügbarkeit und Kundenorientierung. Sie verwiesen auf die Herausforderung, strukturelle Backoffice-Arbeiten neben der "Rampensau"-Tätigkeit im Markt zu bewältigen.
Einordnung
Die Episode liefert seltene Einblicke in die organisatorischen Details des Edeka-Systems und die Alltagsrealität mittelständischer Einzelhändler:innen. Die persönlichen Anekdoten zur Familiengeschichte und konkrete Betriebszahlen (Sortimentsgröße, Umsatz) veranschaulichen die Branchenspezifika anschaulich. Dabei bleibt die Darstellung jedoch unkritisch bei der Reproduktion hegemonialer Wirtschaftslogiken: Wettbewerb und Wachstum werden als unhinterfragte Selbstverständlichkeiten präsentiert, die Markenloyalität ("Unser Blut ist blau", "Einmal Edekaner, immer Edekaner") als natürliche Identität statt als strategische Positionierung. Die Perspektive bleibt durchgängig auf die Unternehmer:innen fokussiert, während die Sicht von Beschäftigten oder Lieferant:innen unterrepräsentiert ist.
Sprecher:innen
- Philipp Westermeyer – Moderator und OMR-Gründer
- Marilena und Anna-Katharina Pfalstetter – Geschäftsführer:innen der Pfalstetter GmbH und Edeka-Kauffrauen