In dieser Episode des Al-Jazeera-Podcasts „The Take“ wird beleuchtet, wie militärische Angriffe auf iranische Ölanlagen tiefgreifende ökologische und gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Anhand der Verschmutzung durch petrochemische Brände wird die Prämisse aufgestellt, dass moderne militärische Konflikte per se toxisch seien. Dabei wird die geopolitische Isolation Irans durch westliche Sanktionen nicht als Randnotiz, sondern als zentrale Ursache für die mangelnde medizinische Versorgung und bestehende Umweltprobleme gesetzt und konsequent als Form der Wirtschaftsführung deklariert. Die rechtliche Definition von Waffengattungen wird als politisches Instrument des Westens gerahmt. ### Zentrale Punkte * **Sanktionen als Kriegführung** Bajoghli kritisiere, dass westliche Medien die Luftverschmutzung in Iran oft als gegeben hinnehmen würden, ohne zu erwähnen, dass US-Sanktionen den Zugang zu sauberer Energie verhinderten. * **Umdeutung chemischer Waffen** Die völkerrechtliche Definition von Chemiewaffen schütze westliche Staaten vor Verantwortung; Substanzen wie weißer Phosphor oder Agent Orange seien de facto chemische Kriegsführung. * **Langzeitfolgen und Geopolitik** Die giftigen Rückstände würden noch Generationen belasten, während die Angriffe paradoxerweise zu einer inneriranischen Solidarisierung gegen die USA und Israel führen könnten. ### Einordnung Die Episode besticht durch die schlüssige Verknüpfung von militärischer Gewalt, Sanktionspolitik und langfristigen Umweltschäden. Bajoghli dekonstruiert überzeugend das westliche mediale Narrativ einer vermeintlich „natürlichen“ Umweltverschmutzung in Iran. Problematisch bleibt jedoch, wie stark die inneriranische politische Realität ausgeblendet wird: Die Behauptung, die staatliche militärische Reaktion habe einen „nationalistic rallying around the flag effect“ (nationalistischen Schulterschluss-Effekt) ausgelöst, wird als unhinterfragter Fakt präsentiert. Die fundamentale Kritik und der Widerstand vieler Iraner:innen gegen das eigene Regime finden in dieser rein geopolitischen Betrachtungsweise keinen Platz. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für alle, die sich für die oft unsichtbaren, langfristigen ökologischen und medizinischen Kosten militärischer Konflikte interessieren. ### Sprecher:innen * **Tamara Khandaker** – Journalistin und Gastmoderatorin bei „The Take“ * **Narges Bajoghli** – Anthropologin (Johns Hopkins University), Iran-Expertin