Die Antifa-Nachrichten, produziert von Freien Radios, sind kein Format, das vorgibt, neutral zu sein. Schon der Name ist Programm: Eine ausdrücklich antifaschistische Perspektive bestimmt die Auswahl und Rahmung aller Meldungen. In dieser Ausgabe berge der 8. Mai 2026 besonderes Konfliktpotenzial: In Demmin versuchten Neonazis erneut, den Tag der Befreiung für ihren Opfermythos zu instrumentalisieren – und trafen auf entschlossenen Gegenprotest, der mit kreativen Blockadeformen den Aufmarsch weitgehend vereitelt habe. Ein zweiter thematischer Strang ziehe sich durch Meldungen, die institutionelle Verstrickungen mit rechten Strukturen sichtbar machten: eine österreichische Polizeibehörde, die vor Rom:nja warne, ein deutscher Staatsanwalt, der vor Neonazis referiere, und die fortgesetzte Nicht-Anerkennung vieler Todesopfer rechter Gewalt durch die Justiz.

Zentrale Punkte

  • Gegenprotest in Demmin mit kreativer Blockade Rund 1.500 Menschen hätten sich den Neonazis in den Weg gestellt und den Aufmarsch durch spontane Blockaden auf der Route massiv behindert. Der Nazi-Marsch habe sein Ziel – den Trauerzug durch die Innenstadt – nicht erreicht. Die Aktivist:innen werteten dies als Erfolg und riefen für den nächsten 8. Mai zum Ziel aus: gar kein Meter den Faschist:innen, gar kein Kranz im Wasser.
  • Staatsanwalt und Polizei mit rechten Verbindungen Zwei Meldungen zeigten eine strukturelle Nähe staatlicher Organe zur extremen Rechten: Ein deutscher Staatsanwalt habe einen Vortrag im Kreis von Neonazis und Freien Sachsen gehalten, beworben mit seiner Amtsbezeichnung. Zeitgleich habe die österreichische Polizei im Burgenland öffentlich vor Rom:nja gewarnt und empfohlen, keine Geschäfte mit ihnen zu machen – ein Aufruf, den die Gleichbehandlungsanwaltschaft als mögliche Diskriminierung werte.
  • Nicht anerkannte Opfer rechter Gewalt In der wöchentlichen Gedenkreihe erinnerte die Sendung an sechs Menschen, die zwischen 1991 und 2017 ermordet wurden. Auffällig: In mehreren Fällen hätten Gerichte die Anerkennung als Opfer rechter Gewalt verweigert, obwohl die Täter nachweislich rassistische oder queerfeindliche Motive hatten. Diese Diskrepanz sei für die Sendung ein Beleg, dass staatliche Institutionen das Ausmaß rechter Gewalt systematisch unterschätzten.

Einordnung

Die Stärke des Formats liegt in seiner konsequenten Themensetzung: Rechte Gewalt, institutioneller Rassismus und antifaschistischer Widerstand werden als zusammenhängende politische Felder präsentiert, nicht als isolierte Einzelfälle. Besonders die wöchentliche Opfergedenk-Reihe leistet beharrliche Erinnerungsarbeit, die juristische Anerkennungsdefizite konkret benennt und damit eine Leerstelle der öffentlichen Debatte füllt. Die ausführliche Schilderung der Demmin-Proteste gibt zudem einen lebendigen Einblick in zivilgesellschaftlichen Aktivismus, der in Mainstream-Medien oft nur als Randnotiz vorkommt.

Die Stärke ist zugleich die Grenze: Der aktivistische Anspruch verdrängt jede journalistische Distanz. Staatliche Institutionen erscheinen pauschal als repressiv oder mit der extremen Rechten verbandelt – eine Differenzierung zwischen einzelnen Behörden, Gerichtsurteilen oder Polizeieinsätzen findet nicht statt. Wenn die Demmin-Aktivist:innen von „gewissenlosen Cops" und „brutalen Angriffen" durch die Polizei berichten, wird das als Tatsachenbericht übernommen, ohne dass polizeiliches Handeln etwa unter Versammlungsrechts-Gesichtspunkten eingeordnet würde. Die eigene Position – Antifaschismus als unhinterfragter Rahmen – wird nicht reflektiert. Wer diese Perspektive teilt, findet hier eine kompromisslose Bestätigung. Wer eine ausgewogenere Einordnung sucht, wird nur begrenzt bedient.

Hörempfehlung: Für alle, die eine explizit antifaschistische Nachrichtenstimme jenseits des Mainstreams suchen und die dokumentarische Gedenkarbeit an Opfern rechter Gewalt schätzen.

Sprecher:innen

  • Moderation (ungenannt) – Sprecher:in der Antifa-Nachrichten, führt durch die Meldungen
  • Aktivist:innen aus Demmin (ungenannt) – Zwei Teilnehmer:innen des Gegenprotests gegen den Neonazi-Aufmarsch