In dieser Episode des OMR Podcasts spricht Philipp Westermeyer mit Thomas Heyne, dem Betreiber des Scorpios auf Mykonos. Heyne schildert seinen Weg vom Partyveranstalter in der schwäbischen Provinz zu einem der erfolgreichsten Beachclubs der Welt. Die Erzählung folgt dem Muster einer klassischen Gründerstory: Ein Einzelner, der mit Gespür, Risikobereitschaft und harter Arbeit Widrigkeiten überwindet und ein Imperium aufbaut. Dabei werden unternehmerischer Erfolg und die Anziehungskraft auf ein globales, extrem wohlhabendes Publikum als selbstverständliche Ziele dargestellt – was dieser Exklusivität für die Gesellschaft vor Ort bedeutet, wird nicht thematisiert.
Zentrale Punkte
- Vom lokalen Partyveranstalter zum Global Player Heyne beschreibe, wie er in Ulm durch Zufall und ein gutes Gespür für Trends – etwa elektronische Musik und später einen „Bohemian Chic“-Stil – immer größere Events und Clubs etabliert habe. Der Erfolg sei dabei auch aus einem Gefühl der Unterforderung und dem Wunsch nach Neuem entstanden.
- Vertrauensbrüche als unternehmerische Wendepunkte Er schildere, wie er in seiner Ulmer Zeit von Freund:innen und Mitarbeiter:innen finanziell ausgenutzt worden sei („meine Mitarbeiter größere Autos fahren als ich“). Diese Erfahrung sowie ein politisch motivierter Entzug einer Veranstaltungslizenz seien der Grund für seinen kompletten Rückzug und Neuanfang in Griechenland gewesen.
- Die Scorpios-Formel: Gegen den globalen Club-Trend Der Erfolg des Scorpios beruhe auf einer bewussten Abkehr von den Trends aus Ibiza und Las Vegas: Statt Late-Night-Clubbing mit teuren Star-DJs setze man auf eine Tageserfahrung („Early Night Experience“), die um Mitternacht ende, und auf eine besondere, an natürlicher Unvollkommenheit orientierte Ästhetik.
- Wirtschaftlichkeit durch Exklusivität und VIP-Kultur Das Geschäftsmodell in Höhe von 45 Millionen Euro Netto-Umsatz in nur viereinhalb Monaten basiere nicht mehr auf Masse und Getränkeverkauf, sondern auf hochpreisigen VIP-Tischen und einem betuchten Publikum, das bereit sei, enorme Summen auszugeben – eine Entwicklung, die Heyne als logische Reaktion auf unbezahlbare DJ-Gagen und veränderte Urlaubsbedürfnisse wohlhabender Geschäftsleute darstelle.
Einordnung
Die Episode liefert einen detailreichen und ungeschönten Einblick in die Mechanik des globalen Luxus-Clubgeschäfts. Stärke des Gesprächs ist die Offenheit, mit der Heyne nicht nur Erfolge, sondern auch persönliche Fehleinschätzungen und geschäftliche Rückschläge thematisiert. Dadurch wird die Geschichte hinter der glamourösen Fassade greifbar, und die unternehmerischen Abwägungen werden nachvollziehbar. Die Darstellung, wie ein Ort durch Risiko und das bewusste Brechen von Marktkonventionen geschaffen wurde, ist aus einer Business-Perspektive erkenntnisreich.
Allerdings bleibt die Erzählung vollständig in der Perspektive des erfolgreichen männlichen Unternehmers verhaftet. Die exzessive Welt der Superreichen, der das Scorpios dient, wird nicht kritisch eingeordnet, sondern als gegebener Markt hingenommen. Lokale Akteur:innen auf Mykonos tauchen entweder als unmotivierte Besitzer oder als kurzfristig denkende Geschäftsleute auf. Strukturelle Fragen – etwa zu Arbeitsbedingungen der rund 550 Saisonkräfte, ökologischen Folgen des exzessiven Bootsverkehrs oder den Auswirkungen solcher Orte auf die lokale Bevölkerung und Immobilienpreise – werden nicht gestellt. Die Rahmenbedingungen in Griechenland beschreibt Heyne als kreativitätsfördernde „Grauzone"; ein Zitat dazu: „...in Griechenland ist es halt so, du weißt nie, was dich erwartet. Du kannst alles richtig machen und du hast irgendeinen, der keinen Bock auf dich hat, dann kannst du es vergessen." Dieser Zustand zwischen fehlender Planungssicherheit und kreativer Freiheit wird als Vorteil für das eigene Geschäft präsentiert, ohne die damit verbundenen Risiken für andere oder das Allgemeinwohl zu beleuchten.
Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die sich für die Entwicklung und das Business hinter Luxusmarken, Clubkultur und die spezielle Ökonomie von Saisonbetrieben interessieren.
Sprecher:innen
- Philipp Westermeyer – Moderator und OMR-Gründer
- Thomas Heyne – Betreiber und Mitbesitzer des Scorpios Mykonos