Im Gespräch mit Jan Groos entfaltet der Philosoph Stefan Niklas die Idee einer planetarischen Ästhetik. Ausgehend von der Feststellung, dass Wissen über die ökologische Krise allein nicht zu verändertem Handeln führt, rücke die Frage nach der Vermittlung durch Gefühle und Vorstellungskraft ins Zentrum. Die zentrale Annahme ist hier, dass zwischen Bewusstsein und politischer Praxis eine Lücke klaffe, die nur durch ästhetische Erfahrung – insbesondere durch Kunst – geschlossen werden könne. Das Planetarische wird dabei nicht als ein von außen betrachtbares Objekt verstanden, sondern als ein unüberschaubarer Zusammenhang von Verstrickungen, in den menschliches und nicht-menschliches Leben gleichermaßen eingewoben sei.

Zentrale Punkte

  • Das Planetarische als Verstrickungszusammenhang Stefan Niklas unterscheide das Planetarische vom Planeten als Objekt. Es bezeichne die offene Totalität der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ökologie und sozialen Systemen. Diese Perspektive solle die untrennbare Verflechtung menschlicher Aktivität mit geologischen und biologischen Prozessen betonen und die Idee eines beherrschbaren Gegenübers ablösen.
  • Kunst als notwendige Vermittlungsinstanz Zwischen dem Bewusstsein für die Krise und konsequentem Handeln stehe die Sphäre der Ästhetik, also die Welt der Bilder und Affekte. Spekulative Science-Fiction wird dabei als privilegiertes Feld gesehen, um planetarische Zusammenhänge erfahrbar zu machen. Sie dürfe jedoch, im Sinne der Kritischen Theorie, elitär und unzugänglich bleiben, da Kunst ihr kritisches Potenzial genau dann entfalte, wenn sie sich nicht didaktisch anpasse.

Einordnung

Das Gespräch bietet einen dichten, theoretisch voraussetzungsreichen Einstieg in die Frage, warum sich die ökologische Krise so schwer in politische Praxis übersetzen lässt. Die Stärke der Episode liegt darin, der oft ausgeblendeten Rolle von Gefühlen und Vorstellungskraft systematisch nachzugehen und mit dem Rückgriff auf postkoloniale Theorie und Kritische Theorie eine Denktradition stark zu machen, die im Pragmatismus des öffentlichen Klimadiskurses selten vorkommt. Die Verteidigung einer sperrigen, nicht unmittelbar nützlichen Kunst als Gegenmodell zu einer rein erzieherisch gedachten „Klimakommunikation“ eröffnet einen klugen Reflexionsraum.

Allerdings bleibt der Bezug zur angekündigten demokratischen Gesellschaft auffallend abstrakt. Die Unterhaltung kreist stark um begriffliche Feinheiten und einen überwiegend europäisch-männlichen Theoriekanon, während konkrete demokratische Praktiken, Konflikte oder nicht-westliche ästhetische Traditionen kaum zur Sprache kommen. Wie aus dem theoretisch beschriebenen „Ensemble von Praktiken“ jenseits von Kunst tatsächlich politische Handlungsfähigkeit erwachsen soll, wird nicht ausgeführt. Die implizite Gleichsetzung von unzugänglicher Kunst mit Freiheit von Verwertungslogik wirft zudem die Frage auf, für wen genau dieser reflexive Luxus eigentlich gedacht ist – eine Frage, die der Gastgeber zwar benennt, die aber letztlich unbeantwortet im Raum stehen bleibt.