In dieser Sonntagsausgabe des Berlin Playbook Podcasts macht Gordon Repinski eine Pause vom politischen Berlin und spricht mit dem Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner. Er selbst surfe zwar auch, aber nur kleine Wellen – das sei in etwa so, als würde man Freizeit-Radfahren mit einem Mountainbike-Rennen bei 250 km/h vergleichen. Statt um Koalitionen und Gesetze geht es um die Frage, wie jemand aus Nürnberg zum Weltrekordhalter im Surfen der größten Wellen der Welt wird.
Wiederkehrend wird im Gespräch deutlich, wie Steudtner seine Erfahrungen mit Naturgewalten beschreibe: als eine Mischung aus extremer Demut gegenüber der Macht des Ozeans und hochkonzentrierter sportlicher Leistung. Zugleich ziehe sich durch das Gespräch das Thema Sicherheit und Verantwortung – Steudtner habe eigene Rettungssysteme entwickelt und engagiere sich ehrenamtlich, was in der Konkurrenz-Szene auch als politisches Manöver ausgelegt werde.
Zentrale Punkte
- Vom ersten Kontakt zum Weltrekord Steudtner habe mit neun Jahren beim Familienurlaub in der Bretagne das Surfen entdeckt und sei mit 16 allein nach Hawaii gegangen, um Profi zu werden. Die Aufnahme in eine hawaiianische Surfer-Familie und das Training mit einem Einheimischen hätten ihn schließlich zum Big-Wave-Surfen gebracht, wo ihn die Kombination aus Naturgewalt und Perfomance fasziniere.
- Die Physik und das Gefühl einer Riesenwelle Eine 28-Meter-Welle sei das Ende einer Sturmenergie, die den gesamten Atlantik überquert habe – das spürbare Gewicht und die Geschwindigkeit machten aus einem Fahrfehler sofort eine lebensbedrohliche Situation. Steudtner schildere, wie er im Moment der Entscheidung zum „Jäger" werde und sein Team fast wortlos die richtige Welle auswähle.
- Sicherheit als umstrittenes Projekt Nach gefährlichen Vorfällen, bei denen er selbst fast gestorben sei, habe Steudtner mit Militärmedizinern eine komplette Rettungskette und ein offroadfähiges Notfallfahrzeug für den Strand von Nazaré entwickelt. Seine Forderung nach verbindlichen Standards für alle Surfer werde von Teilen der Szene als Versuch gewertet, sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.
Einordnung
Das Gespräch lebt von der unmittelbaren, teils sehr körperlichen Sprache Steudtners, der Naturgewalten und Hochleistungssport eindrücklich miteinander verbindet. Repinski gelingt es, mit eigenem Surfer-Hintergrund eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen und zugleich die radikale Andersartigkeit des Big-Wave-Surfens sichtbar zu machen – etwa wenn er den Vergleich zum Drag-Racing bemüht. Die Schilderungen von Rettungsaktionen und der selbstentwickelten Sicherheitstechnik zeigen einen Athleten, der Systemverantwortung übernimmt.
Das Format eines persönlichen Einzelinterviews bringt es mit sich, dass kritische Nachfragen zu Widersprüchen ausbleiben – etwa zu Steudtners Darstellung der Konkurrent:innen, die ihm pauschal niedere Motive unterstelle, während er allein aus Verantwortungsgefühl handle. Die Kommerzialisierung Nazarés und die politische Dimension von Sicherheitsstandards werden angerissen, aber nicht vertieft. Die Analyse bleibt eine persönliche Erzählung, keine journalistische Einordnung der Surfszene.
Hörempfehlung: Die Episode lohnt sich für alle, die sich für Extremsport, Naturerfahrung und den persönlichen Antrieb von Weltrekordhaltern interessieren – eine erfrischend andere Sonntagsfolge jenseits des Politikbetriebs.
Sprecher:innen
- Gordon Repinski – Host des Berlin Playbook Podcasts, Executive Editor bei POLITICO
- Sebastian Steudtner – Big-Wave-Surfer, Weltrekordhalter (28-Meter-Welle), Sicherheitsaktivist in Nazaré