Paul Krugman: The Worst and the Dumbest
Paul Krugman analysiert den alarmierenden Kompetenzverlust im US-Militär durch rechte Ideologie und mangelnde Vorbereitung auf moderne Drohnenkriege.
Paul Krugman
8 min readDer vorliegende Newsletter des Ökonomen Paul Krugman analysiert die US-amerikanische Militärstrategie im Kontext eines laufenden Krieges mit dem Iran. Krugman konstatiert ein dramatisches Versagen der Führung, da es offensichtlich keine strategische Planung für den Fall gebe, dass erste Angriffe scheitern. Er zieht einen scharfen Kontrast zum Vietnamkrieg: Anstelle der damaligen Elite werde das Land nun von den Schlechtesten und Dümmsten ("the worst and the dumbest") geführt. Ein zentraler Punkt ist die mangelnde Vorbereitung des Militärs auf asymmetrische Drohnenkriege. Krugman zeigt sich schockiert, dass US-Stützpunkte ungeschützt seien und teure Abfangjäger gegen billige Drohnen eingesetzt würden, obwohl der Ukraine-Krieg dies längst vorgezeichnet habe.
Die Ursache sieht der Autor in einer ideologischen Umstrukturierung durch Akteur:innen wie Pete Hegseth. Krugman beschreibt die Benachteiligung von schwarzen und weiblichen Offizier:innen als rassistische und misogyne Agenda. Diesen Prozess nennt er "Kudlowisierung". Er erklärt dies am Beispiel der Wirtschaftspolitik, wo moderate Konservative durch loyale Ideolog:innen ohne Fachwissen ersetzt wurden. In diesem System sei Inkompetenz geradezu eine Jobanforderung ("incompetence is a job requirement"), da fähige Expert:innen aus Prinzipien widersprechen könnten. Diese Dynamik übertrage sich nun auf das Militär, wo ein überholter Kriegerethos die für hochtechnologisierte Konflikte nötige intellektuelle Kompetenz verdränge.
## Einordnung
Die Analyse ist ein pointierter Angriff auf die rechte Transformation staatlicher Institutionen. Das Framing ist eindeutig: Die Führung wird als inkompetent, rassistisch und frauenfeindlich gerahmt. Krugman nutzt seine Expertise geschickt, um ein Narrativ zu konstruieren, das den Verfall von Fachkompetenz plausibel macht. Militärische Fehlschläge werden jedoch stark auf die Personalpolitik einer spezifischen politischen Strömung reduziert, während tiefere strukturelle Defizite in den Hintergrund treten. Unausgesprochen schwingt die Annahme mit, dass eine meritokratische und diverse Führung derartige Krisen abgewendet hätte.
Die gesellschaftliche Relevanz liegt in der Warnung vor den Konsequenzen anti-intellektueller Personalpolitik für die nationale Sicherheit. Der Text ist sehr lesenswert für Bürger:innen, die die Auswirkungen rechter Kulturkämpfe auf staatliche Kerninstitutionen verstehen wollen, erfordert aber ein Bewusstsein für die liberale Verortung des Autors.