Dieser Newsletter ist eine dichte und vernichtende Kritik an der US-amerikanischen Technologiekultur am Beispiel der erbitterten juristischen und persönlichen Fehde zwischen Elon Musk und Sam Altman. Der Autor kontrastiert diese Auseinandersetzung mit dem Staatsbesuch Donald Trumps in China und zieht eine fundamentale Trennlinie: Während die US-Tech-Welt von Profit, individuellen Egos und dystopischen Allmachtsfantasien getrieben sei, basiere der chinesische Ansatz auf Planung und einer grundlegend anderen kulturellen Beziehung zur Technik. Die im Prozess veröffentlichten Chat-Verläufe zwischen Musk und Altman dienen als Kronzeugen für eine "besonders männliche Form von Hybris" und ein erschreckend wackeliges Verantwortungsgefühl.

Im Kern argumentiert der Text, dass die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in den USA einem "Kapitalismus der Angst" folge. Sie werde nicht als Werkzeug der Kooperation, sondern als Mittel der Dominanz inszeniert. Diese Angst, so die These, speise sich aus den dystopischen Science-Fiction-Fiktionen weißer Männer, deren Paranoia zur gesellschaftlichen Realität hochskaliert werde. Der Autor zitiert Musk, der 2018 schrieb: "Unfortunately, humanity’s future is in the hands of Demis", und folgert, dass die gesamte Branche auf Pathologien basiere, die zu Politik und dann zu einem gefährlichen geopolitischen "Rüstungswettlauf" gegen China führten.

Dem stellt der Newsletter die These des Philosophen Yuk Hui gegenüber, dass das westliche Denken von einer Trennung zwischen Mensch und Technik geprägt sei, die in China so nicht existiere. Dort werde KI, so die "New York Times"-Reporterin Vivian Wang, viel stärker als nützliches Hilfsmittel für konkrete gesellschaftliche Probleme wie den Ärztemangel verstanden und sei nicht mit endzeitlichen Mythen verbunden. Der China-Experte Kyle Chan wird mit dem pointierten Satz zitiert: "I don’t think that China is AGI-pilled." Der Autor deutet an, die USA könnten den falschen Krieg kämpfen, basierend auf einer selbst konstruierten Geschichte, die eine eigentlich formbare Realität einfriere.

Einordnung

Die Analyse ist brillant zugespitzt und entlarvt wirkungsvoll die absurden, gefährlichen und oft literarisch pubertären Narrative der Tech-Milliardäre. Sie ist eine dringend nötige Demystifizierung der Heils- und Untergangsversprechen, die aus dem Silicon Valley kommen. Allerdings reproduziert der Text in seiner scharfen Gegenüberstellung auch eine problematische Vereinfachung: Einem pathologischen, von "Psychopathen" getriebenen US-Modell wird ein fast schon harmonisches, an konkreten Alltagsproblemen orientiertes chinesisches Modell entgegengestellt. Die Perspektive chinesischer Dissident:innen, Uigur:innen oder Bürger:innen, die unter einem totalitären Überwachungssystem leiden, das massiv auf KI setzt, wird vollständig ausgeblendet.

Diese Auslassung ist bedeutend, denn sie idealisiert implizit einen autoritären Technokratie-Ansatz als potenziell rationale und gemeinwohlorientierte Alternative. Der Autor, der sich selbst als Widerstand gegen "Phlegma und den allgemeinen Rechtsrutsch" verortet, liefert eine brillante Ideologiekritik des neoliberalen Tech-Kapitalismus, riskiert dabei aber, ein anderes Machtsystem durch die selektive Fokussierung auf dessen kulturelles Fundament zu verharmlosen. Die Leseempfehlung fällt dennoch klar aus: Für alle, die die kulturellen und psychologischen Wurzeln des aktuellen KI-Hypes verstehen wollen, ist dieser Newsletter eine fesselnde und äußerst erhellende Pflichtlektüre – vorausgesetzt, man liest die geopolitische Gegenüberstellung mit kritischer Vorsicht.