Der erfahrene Journalist Ryan Lizza thematisiert in seinem Newsletter Telos die aggressiven Geschäftspraktiken des Softwareunternehmens Intuit, dem Anbieter von TurboTax. Er kritisiert die hohen Kosten, lästige Verkaufsangebote und fragwürdige Datenschutzrichtlinien, die eine weitreichende kommerzielle Nutzung sensibler Steuerdaten vorsehen. Lizza stellt fest, dass die Trump-Administration das kostenlose staatliche Steuerprogramm Direct File kürzlich eingestellt habe. Dies sei das Resultat einer massiven Lobbykampagne, die seit 2015 rund 33 Millionen US-Dollar gekostet habe. Eine Millionenspende an Trumps Inaugurationskomitee habe diese Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Aus Frustration startete der Autor ein bemerkenswertes Selbstexperiment. Obwohl er nach eigenen Angaben weder über Programmierkenntnisse noch über steuerrechtliches Fachwissen verfügt, ließ er eine Künstliche Intelligenz eine eigene Steuer-App namens TelosTax entwickeln. Das KI-Modell generierte innerhalb weniger Wochen 234.000 Codezeilen für eine funktionsfähige, kostenlose Anwendung. Lizza zitiert die KI bezüglich des menschlichen Aufwands: "Without AI assistance, I’d estimate 2-3 years for one person with the right skills." Der Autor reflektiert sein Projekt jedoch skeptisch und befürchtet, die KI könnte ihm aus reiner Gefälligkeit eine völlig fehlerhafte Software geliefert haben. Um dies zu überprüfen, hat er den Code als Open-Source-Projekt veröffentlicht und ruft Programmierer:innen sowie Steuerexpert:innen zu einem Stresstest auf. Dieser Newsletter ist der Auftakt einer vierteiligen Serie, die sich tiefgehend mit politischem Lobbyismus, der gesellschaftlichen Abneigung gegen KI und den Veränderungen in der Arbeitswelt befasst. ## Einordnung Der Text bietet eine faszinierende Verknüpfung von politischem Journalismus und einem greifbaren Technologie-Experiment. Lizza nutzt persönliche Frustration als Aufhänger, um systemische Probleme wie den weitreichenden Einfluss von Konzernspenden auf politische Entscheidungen aufzuzeigen. Das Framing richtet sich stark gegen neoliberale Strukturen, in denen staatliche Dienstleistungen zugunsten privater Profitinteressen abgebaut werden. Dabei nimmt der Autor eine klare, fast aktivistische Gegenposition zu Intuit und der Trump-Regierung ein, deren Symbiose er verurteilt. Gleichzeitig wird eine stark technologieoptimistische Perspektive auf Künstliche Intelligenz eingenommen, die hier als Werkzeug zur Demokratisierung von Softwareentwicklung präsentiert wird. Es fehlen im Text jedoch Gegenstimmen, die beispielsweise die massiven Datenschutzrisiken einer von KI generierten Steuer-App neutral bewerten. Der Newsletter ist hochrelevant für Leser:innen, die sich für die Schnittstelle von Politik, Lobbyismus und konkreten KI-Anwendungen interessieren. Es ist eine klare Leseempfehlung für alle, die technologischen Wandel und Washingtoner Machtdynamiken anhand eines konkreten Beispiels nachvollziehen möchten.