Apokalypse & Filterkaffee: Hans und Tanz (mit Nina Chuba und Momme Hitzemann ins Wochenende)
Micky Beisenherz diskutiert mit Nina und Momme über Popkultur, KI in der Musik, den Fall Collien Fernandes und die PR der Bundeswehr.
Apokalypse & Filterkaffee
90 min read4321 min audioIn dieser unterhaltungsorientierten Ausgabe von „Apokalypse & Filterkaffee“ bespricht Moderator Micky Beisenherz mit dem Musik-Duo Nina und Momme diverse popkulturelle und gesellschaftspolitische Phänomene. Der Diskurs bewegt sich in weiten Teilen im Spannungsfeld zwischen der popkulturellen Sehnsucht nach Authentizität und der allgegenwärtigen Inszenierung durch soziale Medien oder Künstliche Intelligenz.
Auffällig bei der Gesprächsführung ist, wie tiefgreifende politische und strukturelle Diskurse auf eine individualistische oder ästhetische Ebene heruntergebrochen werden. So werde die Notwendigkeit militärischer „Kriegstüchtigkeit“ als unveränderliche neue Normalität hingenommen, während sich die Diskussion vor allem an der handwerklichen Umsetzung und Bezahlung der Bundeswehr-PR abarbeitet. Ähnlich individualisiert verläuft das Gespräch über Ungleichheiten in der Musikindustrie, die primär über persönlichen Einsatz, Tanzchoreografien und individuelle Leistungsbereitschaft verhandelt werden.
### Zentrale Punkte
* **KI als Authentizitätsbedrohung**
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Musik werde primär als existenzielle Bedrohung für echte Emotionen und als unfaire Konkurrenz um ohnehin knappe finanzielle Ressourcen gerahmt.
* **Performative Anteilnahme**
Im Fall Collien Fernandes kritisiere Beisenherz die schablonenhafte Social-Media-Empörung von Männern als moralische Selbstüberhöhung, was Nina jedoch als pragmatisch nützlich für die Sichtbarkeit bewerte.
* **Pragmatische Remilitarisierung**
Die neue Bundeswehr-Kampagne werde kaum pazifistisch hinterfragt, sondern primär hinsichtlich ihrer PR-Wirksamkeit und der als zu gering empfundenen monetären Entlohnung für das Lebensrisiko belächelt.
* **Verlust des Analogen**
Die ständige digitale Selbstbespiegelung durch Smartphones auf Konzerten oder Abschlussbällen führe laut den Diskutant:innen zu einem gravierenden Verlust an Unbeschwertheit und kollektivem Erleben im Moment.
### Einordnung
Das Format besticht durch aufmerksame Alltagsbeobachtungen. Stark ist die medienkritische Einordnung, etwa wenn Beisenherz analysiert, wie Friedrich Merz den Fall sexualisierter Gewalt rhetorisch sofort unpassend mit dem Migrationsthema verknüpfe. Problematisch bleibt jedoch die unhinterfragte Übernahme sicherheitspolitischer Hegemonialdiskurse. Die Prämisse der militärischen Aufrüstung wird als naturgegeben akzeptiert. Beisenherz formuliert dies als unausweichliche Tatsache, da „alles natürlich darauf hinausläuft, dass also das Krieg oder Wehrdienst ein realistischeres Szenario ist“. Der Diskurs verengt sich daraufhin auf eine zynische neoliberale Kosten-Nutzen-Rechnung, bei der 2500 Euro Brutto als zu wenig Gehalt für das militärische Risiko bewertet werden.
### Sprecher:innen
* **Micky Beisenherz** – Moderator und Beobachter des gesellschaftlichen Diskurses
* **Nina** – Musikerin und Co-Host des Podcasts „Die Leute lieben das“
* **Momme** – Musikproduzent, Drummer und Co-Host des Podcasts „Die Leute lieben das“