Paul Krugman nutzt das jüngste Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump für eine fundamentale Abrechnung mit der US-Außenpolitik. Der chinesische Premier sprach über die „Thucydides-Falle" – das historische Muster, nach dem Konflikte zwischen einer aufsteigenden und einer absteigenden Macht eskalieren – und implizierte damit den Niedergang der USA. Trump hingegen redete über die Verbreitung chinesischer Restaurants in Amerika. Krugman kommentiert bissig: „I’m old enough to remember when we were a serious country.“ Die chinesische Wahrnehmung der USA als schwächelnde Nation habe sich unter Trump noch verstärkt; ein Pekinger Thinktank veröffentlichte sogar einen Bericht mit dem Titel „Thank Trump".
Der Newsletter argumentiert, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Chinas technologischem Aufstieg nicht mehr stattfindet. Während die Biden-Regierung mit dem CHIPS Act und dem Inflation Reduction Act gezielt auf industriepolitische Konkurrenz setzte, habe Trump diese Strategien abgeräumt und durch persönliche Handelsabkommen ersetzt. Der zentrale Vorwurf: Statt die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit in Zukunftstechnologien zu sichern, feilschte Trump um chinesische Kaufzusagen für Agrarprodukte. Krugman bringt es auf die Formel, Trump habe „a serious effort to keep America competitive in advanced technology game for a hill of soybeans" eingetauscht. Die zugesagten 17 Milliarden Dollar jährlich seien zudem wenig verlässlich, da China ähnliche Versprechen in Trumps erster Amtszeit nie einlöste.
Am Ende steht ein historischer Vergleich, der an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist: Die USA unter Trump glichen dem Römischen Reich unter Caligula, wobei Caligula weniger Schaden angerichtet habe. Die Kernthese lautet, dass die Thucydides-Falle für China keine akute Bedrohung darstellt, weil die vermeintlich absteigende Supermacht von einer Person geführt werde, die von Sachpolitik keine Ahnung habe und vor allem mit Selbstbereicherung und Größenphantasien beschäftigt sei.
Einordnung
Krugman liefert eine scharfzüngige, aus progressiver Perspektive verfasste Analyse, die mit rhetorischer Brillanz auftrumpft. Das Framing vom naiven, selbstverliebten Trump, der gegen die weise, strategisch denkende Vorregierung abstinkt, ist jedoch extrem vereinfachend. Unausgesprochen bleibt die Annahme, Bidens Industriepolitik sei uneingeschränkt erfolgreich und alternativlos gewesen. Die Gegenposition, wonach Trumps Dealmaking vielleicht kurzfristige Vorteile für US-Exporteure bringt oder geopolitische Deeskalation anstrebt, wird lächerlich gemacht oder ignoriert. Die Caligula-Analogie treibt die Argumentation in eine satirische Schärfe, die zwar unterhaltsam ist, aber eine sachliche Einordnung durch den starken Fokus auf Trumps vermeintliche Lächerlichkeit ersetzt. Der Text ist vor allem für Leser:innen gewinnbringend, die pointierte Anti-Trump-Kommentare schätzen und sich an der brillianten Zuspitzung erfreuen – eine ausgewogene außenpolitische Analyse sollte man hier jedoch nicht erwarten.