Diese Episode des Berlin Playbook widmet sich in einem biografischen Porträt dem Leben von Papst Leo XIV., geboren als Robert Francis Prevost. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der bereits als Kind auf einem Bügelbrett Messen nachspielte und schließlich zum Oberhaupt der katholischen Kirche aufstieg. Die Darstellung folgt einem klassischen Erzählmuster: Ein stiller Junge aus dem Arbeitermilieu, der sich gegen das offensichtliche Ziel – eine Baseball-Karriere – für den Glauben entscheidet. Die Episode setzt dabei die Berufung zum Priester als unausweichlichen, fast schicksalhaften Weg voraus. Als selbstverständlich gesetzt wird die Vorstellung, dass eine Mischung aus mathematischer Präzision, missionarischer Hingabe in Armutsregionen und jahrzehntelanger Arbeit in kirchlichen Strukturen legitime Macht begründet.

Zentrale Punkte

  • Ein Leben als göttliche Berufung Prevosts Weg sei von Kindheit an vorgezeichnet gewesen; seine Entscheidungen – Mathematikstudium, Mission in Peru, Kirchenrechts-Promotion – erscheinen nicht als persönliche Karriereplanung, sondern als planvolles Wirken einer höheren Fügung.
  • Die Brückenfigur dreier Welten Durch seine familiären Wurzeln (angelsächsisch, romanisch, hispanisch) und seine Jahre als Missionar in Peru verbinde Prevost angeblich das katholische Europa mit dem spanischsprachigen Raum und den USA zu einer Figur der globalen Einheit.

Einordnung

Die Episode liefert eine dichte, atmosphärische Erzählung, die Prevosts Lebensstationen anschaulich verbindet. Besonders die Schilderung seiner Zeit in den Armenvierteln Perus während des Bürgerkriegs schafft ein plastisches Bild seiner pastoralen Prägung. Die Symbolik – der Verzicht auf das päpstliche Schultergewand, die erste Ansprache auf Spanisch – wird präzise als politische Botschaft gedeutet.

Allerdings bleibt die Darstellung durchgehend im hagiografischen Gestus. Die Erzählung setzt unhinterfragt voraus, dass kirchliche Macht legitim und Prevosts Aufstieg verdient ist. Seine Rolle als Kurienspitze, wo er jahrelang über Bischofsernennungen im Verborgenen mitentschied, wird zwar erwähnt, aber nicht kritisch eingeordnet: Was bedeutet es, wenn Machtausübung im Verborgenen geschieht, und zwar strukturell, nicht versehentlich? Der im Intro behauptete offene Konflikt mit dem US-Präsidenten wird nicht ausgeführt. Die Perspektive der Armen selbst, an deren Seite Prevost sich stellt, erscheint nur als Staffage für seine eigene Lebensgeschichte.

„In dem einen sind wir eins“ – sein bischöflicher Wahlspruch wird als Dienst an der Gemeinschaft gedeutet, ohne dass gefragt würde, wie dieser Einheitsanspruch mit den Machthierarchien der Kirche zusammengeht.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die ein stimmungsvolles Porträt mit historischem Tiefgang suchen und sich für die Biografie des amtierenden Papstes interessieren.

Sprecher:innen

  • Gordon Repinski – Host des Berlin Playbook und Executive Editor bei POLITICO Deutschland