In der Deutschlandfunk-Reportage skizziert Korrespondentin Anne Herrberg ein historisch-kulturelles Porträt von Rio de Janeiro. Die Stadt wird dabei als Ort extremster Kontraste dargestellt, in dem sich atemberaubende Natur und brutale Kolonialgeschichte untrennbar vermischen. Die Erzählung bricht bewusst mit touristischen Klischees und beleuchtet die historische Unterdrückung Schwarzer und indigener Bevölkerungen. Diese Ausgrenzung, so die These der Sendung, diktiere das Stadtbild durch ständige Verdrängung bis heute räumlich und sozial. ### Zentrale Punkte * **Kampf gegen die Natur** Die Gründung Rios werde als gewaltsamer Akt der Kolonialisierung gegen Natur und Indigene beschrieben. Die Ausbeutung durch Sklaverei sei eine bewusst verdrängte Konstante der Stadtgeschichte. * **Samba als Überlebensstrategie** Kulturelle Phänomene wie Karneval und Samba entsprängen nicht purer Lebensfreude, sondern bildeten den kreativen Widerstand einer marginalisierten Klasse gegen eine allgegenwärtige Kultur des Todes. ### Einordnung Die Reportage bricht europäisch-koloniale Erzählungen gekonnt auf, indem sie marginalisierten Perspektiven Raum gibt und die Stadtentwicklung als rassistische Kontinuität einordnet. Dabei werden körperliche Schönheitsideale am Strand zunächst etwas unkritisch als Ausdruck "freierer Körperkultur" reproduziert, bevor die soziale Kontrolle dahinter angerissen wird. Der Historiker Simas fasst die rhetorische Grundthese der Sendung treffend zusammen: Man feiere ausschweifend, "weil wir dem Tod ins Gesicht lachen". **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für alle, die hinter touristische Postkartenmotive blicken und urbane Strukturen postkolonial verstehen möchten. ### Sprecher:innen * **Anne Herrberg** – Korrespondentin und Autorin der Reportage * **Luis Antonio Simas** – Historiker mit Fokus auf die Kulturgeschichte Rios * **Cosme Philibsen** – Favela-Bewohner und Bürgerrechtler * **Alessandro Solosano** – Geograf und Forscher zum atlantischen Urwald * **Marcelo Silva Hamus** – Anthropologe