Anfang 2026 trat das Jugendnetzwerk der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) geschlossen aus dem Verband aus und gründete das antimilitaristische Aktionsnetzwerk (a2n). Die Aktivist:innen Jakob und Toni erläutern die Hintergründe dieses Schritts. Im Gespräch zeichnen sie das Bild eines Verbands, in dem sich über Jahre eine politische Kultur verfestigt habe, die sie als unvereinbar mit ihren eigenen, aus antifaschistischen und linken Kreisen stammenden Überzeugungen ansehen. Als zentrale Trennlinie wird die Haltung der DFG-VK zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine benannt, aber auch tieferliegende Probleme wie Sexismus und Antisemitismus werden angeführt. Die eigene Position beschreiben die Gäste als eine, die Militarismus grundsätzlich ablehne, ohne dabei autoritären Regimen wie dem in Russland mit Verständnis zu begegnen.
Zentrale Punkte
- Antimilitarismus aus linker Perspektive Die Gäste beschreiben ihre politische Motivation als eine Mischung aus antifaschistischer Haltung und Ablehnung staatlicher Autorität. Ihre antimilitaristische Arbeit ziele nicht nur auf Kriegsverweigerung, sondern auch auf die Untergrabung von Rekrutierungsbemühungen und die Kritik an traditionellen Männlichkeitsbildern.
- Austritt als Konsequenz inhaltlicher Differenzen Der Austritt aus der DFG-VK wird mit einer Anhäufung von Problemen begründet. Im Verband seien Sexismus, Rassismus und Antisemitismus hoffähig geworden und eine unkritische Nähe zu Positionen der russischen Regierung habe sich zu einem bestimmenden Element der Verbandslinie entwickelt.
- Aktionsorientierte Abgrenzung als Strategie Das neue Netzwerk setze auf subversive Aktionsformen wie Adbusting oder inszenierte Proteste auf der Gamescom, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Das Label "DFG-VK" habe hingegen in ihren linken Bezugskreisen zunehmend abschreckend gewirkt und neue Bündnisse erschwert.
Einordnung
Das Gespräch gewährt einen seltenen Innenblick in die Bruchlinien der organisierten Friedensbewegung. Die Stärke der Episode liegt in der persönlichen und dichten Schilderung von Politisierungsprozessen und der konkreten Auseinandersetzung darüber, wie Antimilitarismus heute praktisch aussehen kann. Die Gäste argumentieren kohärent aus ihrer spezifischen politischen Sozialisation heraus und grenzen sich deutlich von dem ab, was sie als reaktionäre Tendenzen innerhalb der DFG-VK verstehen.
Allerdings bleiben viele der schwerwiegenden Vorwürfe wie Putin-Propaganda oder Antisemitismus im Abstrakten, ohne durch konkrete Beispiele aus dem Verband belegt zu werden. Das Interview vollzieht eine vollständige Distanzierung, ohne die strukturellen Widersprüche einer so heterogenen Friedensorganisation genauer zu beleuchten. Kritisch anzumerken ist, dass der Moderator die Chance nicht nutzt, die Vorwürfe kritisch zu hinterfragen oder einordnen zu lassen, etwa durch die Nachfrage, wie sich die beanstandeten Positionen im föderalen Verband genau manifestiert haben. So entsteht ein sehr einseitiges, wenn auch für das Verständnis der Spaltung aufschlussreiches Zeitdokument. “Ich hatte schon den Eindruck, dass das regelmäßig Leute abschreckt und dass vermutlich mehr Leute kommen und andocken würden, wenn dieses Label [DFG-VK] da nicht wäre”, fasst eine Person die strategische Abgrenzung zusammen.
Sprecher:innen
- Jakob – Aktivist, Mitte 20, Mitbegründer des antimilitaristischen Aktionsnetzwerks
- Toni Schmitz – Ehemaliges Vorstandsmitglied der DFG-VK Berlin, Mitbegründer des a2n
- Speaker 1 – Moderator des Podcasts “Recycling” (Freies Sender Kombinat Hamburg)