Vier Monate vor den Midterms setzt Donald Trump wieder auf Angst als Wahlkampftaktik. Diesmal warnt er vor einer angeblichen kommunistischen Unterwanderung der Demokratischen Partei. Autor Paul von Public Notice sieht darin eine Parallele zu 2018, als Trump mit der Bedrohung durch Migrantenkarawanen scheiterte. Die Rhetorik ist plump: „Das sind keine sozialen Dumokraten, das sind hartgesottene, gottlose Kommunisten”, zitiert er den Ex-Präsidenten. Republikaner folgen ihm, die Erwähnungen von „Kommunismus“ stiegen um 43 Prozent.
Doch dieser Kulturkampf wirkt überholt. Zwei Drittel der Amerikaner:innen waren noch nicht geboren oder Kinder, als der Warschauer Pakt existierte. Die wenigen selbsternannten Sozialist:innen bei den Demokraten fordern in Wahrheit skandinavische Sozialdemokratie, nicht das Ende des Privateigentums. Die eigentliche Schwachstelle sei Trumps eigene Version des Kapitalismus: Inflation, explodierende Gesundheitskosten und Immobilienpreise sowie eine korrupte Wirtschaft, in der Konzerne und Milliardäre die Regeln diktieren.
Der Autor listet Trumps Bereicherung an der „Scam Economy“ auf: eine Meme-Coin brachte ihm 636 Millionen Dollar ein, während fast eine Million Anleger:innen Geld verloren. Gleichzeitig kürzt er Sozialprogramme und verbündet sich mit den unpopulären Tech-Milliardären. Das Gefühl, das System sei manipuliert, teilen drei Viertel der US-Bürger:innen. Angesichts dieser Realität, so der Newsletter, könne Trumps plakative Kommunismus-Keule kaum noch Wähler:innen mobilisieren.
Einordnung
Der Text analysiert Trumps Wahlkampfrhetorik aus einer klar linksliberalen Perspektive. Er blendet aus, dass die Kommunismus-Angst für ältere, konservative Wählerschichten durchaus mobilisierend wirken könnte und dass es innerparteiliche Strömungen bei den Demokraten gibt, die als radikal wahrgenommen werden. Die Argumentation baut auf der Annahme auf, Trumps Kapitalismusmodell sei flächendeckend abgelehnt, ohne die anhaltende Zustimmung vieler zu Wirtschaftsthemen wie Steuersenkungen zu reflektieren. Der Verdacht einer Mitverantwortung von Demokraten an manchen Missständen bleibt unerwähnt.
Gesellschaftlich ist die Debatte um Kapitalismus und soziale Gerechtigkeit hoch relevant. Der Newsletter ist lesenswert für Leser:innen, die sich für US-Wahlkampfstrategien und die Widersprüche konservativer Wirtschaftserzählungen interessieren, sollten aber die starke politische Färbung mitbedenken. Wer eine neutrale Lageanalyse sucht, wird hier nicht fündig.