In der Episode von „Die transformative Kraft der Gruppe“ sprechen die Kinder- und Jugendlichentherapeut:innen Fabian Schneider und Eleni Wild über den praktischen Aufbau ambulanter Gruppentherapien. Das Gespräch ist als kollegiale Beratung strukturiert, in der methodische und strukturelle Fragen des therapeutischen Alltags verhandelt werden.

Das medizinische System der gesetzlichen Krankenversicherung (KV) mit seinen spezifischen Regularien bildet dabei den unhinterfragten Handlungsrahmen. Zudem werden psychische Erkrankungen als objektivierbare, durch gezielte Interventionen und Materialeinsatz steuerbare Störungsbilder vorausgesetzt. Die Jugendlichen werden sprachlich primär als Träger:innen von Symptomen, aber auch als fähige Akteur:innen der eigenen Koregulation konstruiert.

Zentrale Punkte

  • Gruppendynamik durch Heterogenität Schneider erkläre, dass eine gewisse Altersheterogenität vorteilhaft sei, da die Jugendlichen durch unterschiedliche Perspektiven voneinander lernen könnten und eine höhere Toleranz gefordert werde.

  • Rolle der aktiven Koregulation Die therapeutische Haltung beschreibe Schneider als aktive Koregulation, bei der er gezielt in monologisierende Redeanteile eingreife, um die Gruppe auf Ressourcen anstatt auf Defizite zu fokussieren.

  • Pragmatische Hürden und Lösungen Wild und Schneider besprächen praktische Herausforderungen wie Raumgrößen und Abrechnungssysteme, wobei Schneider auf kulante Ausnahmeregelungen der Kassenärztlichen Vereinigung für Gruppentherapien verweise.

Einordnung

Die Episode besticht durch ihren hohen Praxisbezug und den unprätentiösen, kollegialen Wissenstransfer. Komplexe therapeutische Methoden werden niedrigschwellig und anschaulich für den Praxisalltag übersetzt. Gleichzeitig verbleibt der Diskurs vollständig in einer institutionell-bürokratischen Logik. Gesellschaftliche, strukturelle oder sozioökonomische Ursachen für die psychischen Belastungen der Jugendlichen bleiben völlig ausgeblendet. Heilung und Stabilisierung werden stark operationalisiert und pragmatisch als das Ausschöpfen bewilligter Kassenstunden oder als methodisches Symptommanagement gerahmt. Diese Verengung auf das therapeutische Handwerkszeug normalisiert die Ausblendung äußerer Belastungsfaktoren.

Hörempfehlung: Lohnenswert für praktizierende Therapeut:innen, die konkrete, methodische Einblicke in die Strukturierung ambulanter Gruppenangebote suchen.

Sprecher:innen

  • Fabian Schneider – Kinder- und Jugendlichentherapeut, Gruppentherapeut und Host
  • Eleni Wild – Niedergelassene Kinder- und Jugendlichentherapeutin mit Trauma-Fokus