In dieser Episode des Geschichts-Podcasts erzählen die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer gemeinsam mit dem Musiker Jan Müller die Entstehungsgeschichte von Coca-Cola. Im Zentrum steht der Weg der Kokapflanze: von ihrer traditionellen Nutzung in Südamerika über europäische Modegetränke wie den „Vin Mariani“ bis hin zur Erfindung der ikonischen Limonade durch den US-Amerikaner John Pemberton. Das Gesprächsformat ist locker und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Auffällig ist dabei die erzählerische Rahmung: Die jahrtausendealte indigene Nutzung der Kokapflanze dient lediglich als exotischer Prolog. Die eigentliche „Geschichte“ beginnt im Narrativ des Podcasts erst mit der wissenschaftlichen Erforschung und kommerziellen Ausbeutung durch weiße, westliche Akteure. Ökonomische Praktiken wie Patentierung, aggressive Vermarktung und der Aufbau eines Monopols werden als spannende historische Meilensteine verhandelt, wobei kapitalistische Logiken weitgehend als natürliche Gegebenheiten hingenommen werden. ### Zentrale Punkte * **Europäische Koka-Aneignung** Meßner erkläre, dass die Kokapflanze in Europa erst durch Selbstversuche westlicher Wissenschaftler und die Isolierung von Kokain an Relevanz gewonnen habe. * **Marketingerfolg durch Kokawin** Mariani habe laut Meßner mit seinem Kokawin ein Modegetränk geschaffen, dessen enormer Erfolg maßgeblich auf prominenten Werbefiguren beruht habe. * **Pembertons alkoholfreie Alternative** Aufgrund der US-Abstinenzbewegung habe Pemberton seinen Koka-Wein zu einem alkoholfreien Sirup umgewandelt, der in Soda-Bars aufgespritzt worden sei. * **Skrupellose Monopolbildung** Der Apotheker Candler habe das Cola-Imperium aufgebaut, indem er die Erben des Erfinders nach dessen Tod systematisch aus dem Unternehmen gedrängt habe. ### Einordnung Die Episode besticht durch eine kurzweilige und gut recherchierte Aufbereitung medizinhistorischer Kuriositäten. Die Hosts verknüpfen geschickt biographische Anekdoten mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Abstinenzbewegung oder frühen Werbestrategien. Gast Jan Müller bringt durch seine persönliche Popkultur-Perspektive eine nahbare Ebene ein. Kritisch anzumerken ist jedoch die stark eurozentristische Ausrichtung. Obwohl die koloniale Aneignung der Pflanze erwähnt wird, bleibt die Perspektive der indigenen Bevölkerung marginalisiert – der Fokus liegt unhinterfragt auf westlichen „Entdeckern“ und Firmenlenkern. Zudem fällt auf, dass Müllers kurzer Einwurf zur antikapitalistischen Kritik am Konzern im weiteren Verlauf ignoriert wird. Stattdessen bewundert die Runde die frühen Werbetexte für das Produkt, wobei Meßner bei einem historischen Zitat lachend anmerkt: „Ja, also, da wünscht man sich ja schon so ein Glas Cola herbei.“ **Hörempfehlung**: Für Hörer:innen, die sich für anekdotische Wirtschafts- und Medizingeschichte sowie die kuriosen Ursprünge alltäglicher Markenprodukte interessieren. ### Sprecher:innen * **Daniel Meßner** – Historiker und Co-Host, trägt die historische Haupterzählung vor. * **Richard Hemmer** – Historiker und Co-Host, nimmt die Rolle des Zuhörers ein. * **Jan Müller** – Musiker (Tocotronic) und Podcaster, ergänzt persönliche Anekdoten.