Was als Befreiungsoperation für 900 im Persischen Golf festsitzende Frachtschiffe begann, endete als Lehrstück über fehlende Strategie. Der pensionierte US-Luftwaffengeneral Jack Shanahan und Verteidigungsexperte Bryan Clark analysieren, wie die USA versuchten, mit minimalem Einsatz Irans Blockade der Straße von Hormus zu brechen – und warum dieser Versuch scheiterte. Statt einer robusten Eskorte wie im Tankerkrieg der 1980er Jahre habe die Regierung auf eine „Konvoi der Bequemlichkeit" gesetzt, bei der Kriegsschiffe wie Leittiere vorausfahren und Handelsschiffe wie „Entenküken" folgen sollten. Dass Saudi-Arabien Überflug- und Basisrechte verweigerte und Schifffahrtsunternehmen das Schutzversprechen für unglaubwürdig hielten, wird als zentrale Fehlkalkulation dargestellt. Im Kern stehe die Frage, warum eine militärische Operation ohne geklärten strategischen Endzustand geführt werde.
Zentrale Punkte
- Ein Konvoi, dem niemand folgte Die Regierung habe versucht, eine Eskortoperation „auf die billige Tour" durchzuziehen, ohne ausreichenden Schutz oder US-Flaggenschutz zu garantieren. Von über 900 Schiffen hätten nur zwei unter US-Flagge fahrende Maersk-Frachter das Angebot angenommen – die anderen Reedereien hätten dem Schutzversprechen nicht getraut.
- Strategisches Vakuum als Kernproblem Shanahan zufolge fehle der gesamten Operation eine strategische Grundlage – es sei unklar, welches Endziel die USA eigentlich verfolgten. Unter Verweis auf Ex-Verteidigungsminister Mattis wird die Planung als „bar jeder strategischen Gedanken" bezeichnet. Ohne klare Definition, was die USA zu akzeptieren bereit seien, bleibe die Eskalationsgefahr unkalkulierbar.
- Luftüberlegenheit als Illusion Trotz vier verlorener F-15E, dreißig abgeschossener MQ-9-Drohnen und einer beinahe zur Gefangennahme führenden Besatzungsrettung werde weiterhin so getan, als sei die Operation risikoarm. Shanahan betont, dass die USA in diesem Konflikt keine wirkliche Luftherrschaft ausübten, sondern nur lokale Luftüberlegenheit, und dass die elektronische Kriegsführung seit 15 Jahren vernachlässigt worden sei.
Einordnung
Diese Episode liefert eine selten sachkundige Innensicht auf die Kluft zwischen politischer Rhetorik und militärischer Realität. Jack Shanahan bringt als ehemaliger Leiter des Pentagon Joint AI Center und Project Maven eine operativ-technische Tiefe ein, die deutlich macht, wie sehr die US-Planung von Wunschdenken und mangelnder Risikokommunikation geprägt ist. Die Diskussion um die Verwundbarkeit von Kriegsschiffen und das Fehlen einer öffentlichen Risikodiskussion gehört zum Besten, was die sicherheitspolitische Podcast-Landschaft zu bieten hat.
Die Analyse bleibt jedoch vollständig im Bezugsrahmen US-amerikanischer Militärlogik gefangen. Die Tatsache, dass eine völkerrechtswidrige Operation ohne Kongressmandat geführt wird, wird zwar als „fast anti-konstitutionell" benannt, aber nicht grundsätzlich problematisiert. Die Frage, ob ein militärisches Vorgehen überhaupt legitim ist, stellt sich nicht – nur die taktische Umsetzung wird kritisiert. Iranische Perspektiven oder zivile Interessen kommen nicht vor. Auch dass die US-Präsenz im Persischen Golf selbst als Teil des Problems verstanden werden könnte, bleibt unerwähnt. Typisch für dieses Format ist die naturalisierte Annahme, dass die USA eine Ordnungsfunktion in der Region ausüben müssen.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, warum militärische Operationen scheitern, obwohl die Feuerkraft überlegen ist, bietet diese Episode eine brillante strategisch-operative Analyse aus erster Hand.
Sprecher:innen
- Jack Shanahan – pensionierter US-Luftwaffengeneral, Gründungsdirektor des Pentagon Joint AI Center
- Bryan Clark – Verteidigungsexperte, Hudson Institute
- Jordan Schneider – Host von ChinaTalk