Zusammenfassung

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fragt im Rahmen einer kleinen Anfrage nach den konkreten Inhalten und voraussichtlichen Folgen des im September 2025 abgeschlossenen EU-Indonesien-Handelsabkommens CEPA (Comprehensive Economic Partnership Agreement). Im Fokus stehen die geplanten Handels- und Zollregelungen für strategische Rohstoffe wie Nickel, Bauxit und Kupfer sowie die sozialen und ökologischen Risiken des Rohstoffabbaus in Indonesien. Die Anfrage verweist auf schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und Bedrohungen indigener Gemeinschaften – etwa der Hongana Manyawa auf Halmahera –, die mit dem Nickelbergbau einhergehen. Zudem kritisiert sie mögliche negative Auswirkungen auf die lokale Wertschöpfungskette, Arbeitsplatzverluste im Automobilsektor und eine Zunahme prekärer Beschäftigung. Besonders problematisiert werden die Rolle des Militärs in Bergbauprojekten, die Schwächung zivilgesellschaftlicher Akteure durch Repressionen sowie die unzureichende Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten.

Die Bundesregierung wird u. a. nach verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards, der Einbindung lokaler Gemeinschaften nach dem FPIC-Prinzip (Free, Prior and Informed Consent), der Bewertung des IRMA-Standards für verantwortungsvollen Bergbau und der Unterstützung von Menschenrechtsverteidiger:innen gefragt. Zudem thematisiert die Anfrage die geopolitischen Implikationen des Abkommens, insbesondere vor dem Hintergrund chinesischer Dominanz im indonesischen Rohstoffsektor, und fordert Klarheit über staatliche Exportkreditgarantien (z. B. Hermesdeckungen) für deutsche Konzerne.

Einordnung

Die Kleine Anfrage der Grünen zielt darauf ab, die politischen und ökologischen Implikationen des CEPA kritisch auszuleuchten – sowohl aus Menschenrechts- als auch aus Klimasicht. Sie bedient sich dabei eines selektiv sachlichen Narrativs, in dem legitime Befürchtungen (z. B. Regenwaldzerstörung, Indigenen-Rechte) mit strategischen Argumenten (z. B. Abhängigkeit von China) verknüpft werden. Die Konzentration auf Transparenzdefizite und die Forderung nach verbindlichen Durchsetzungsmechanismen innerhalb des Abkommens deuten auf eine mögliche Kritik an mangelnder Nachhaltigkeitsbindung in der EU-Handelspolitik hin, die die Fraktion bereits in ähnlichen Kontexten geltend macht.

Hintergrund könnte auch die Symbolwirkung des Fraktionsthemenbündels sein: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und anti-koloniale Perspektiven (Indigene Rechte) vereinen sich in einer Anfrage, die sich gegen eine rein ökonomische Rohstoffsicherung stellt. Obgleich einzelne Punkte valide sind (z. B. zur HPAL-Methode oder FPIC), dient der Kontrast zwischen „europäischem Greenwashing“ und „chinesischer Ausbeutung“ möglicherweise dazu, eine eigene Position als „ethische Alternative“ zu profilieren. Die Frage nach Hermesdeckungen für Konzerne wie Heidelberg Materials sowie die explizite Bezugnahme auf Medienberichte zu Umweltkonflikten legen einen empirisch-diagnostischen Rahmen nahe, der jedoch durch die Fraktion selbst interpretiert wird.

Die Bundesregierung wird hier als mögliche Schlüsselinstanz adressiert, um Lücken zwischen Handelsinteressen und menschenrechtlichen Verpflichtungen zu schließen – etwa durch strengere Bewertungskriterien für staatliche Exportgarantien. Ob die Fragen auf eine konkrete legislatorische Initiative der Grünen hinauslaufen oder primär der öffentlichen Positionierung dienen, bleibt jedoch offen. --- ENDE TEMPLATE ---