Von einer Europareise aus genießt Paul Krugman den Luxus, der politischen Lage in den USA zeitweise zu entfliehen. Diese Distanz nutzt er, um seine Analyse der europäischen Wirtschaftsleistung zu vertiefen. Er knüpft an seine umstrittene These aus der Vorwoche an: Die gängige Erzählung eines klaren relativen Niedergangs Europas gegenüber den Vereinigten Staaten sei schlicht falsch.
Sein zentraler Punkt, den er nun ausführlicher erklären möchte, ist, dass die weithin genutzten Vergleiche des Produktivitätswachstums nicht als Maßstab dienen können, um den wirtschaftlichen Erfolg Europas im Vergleich zu den USA zu beurteilen. Eine breitere Diskussion mit Fachleuten wie Noah Smith und Luis Garicano habe ihn darin bestärkt, mehr Daten und Analogien zur Erklärung des vermeintlichen Paradoxons liefern zu müssen. Die detaillierte Ausführung, warum langsames Wachstum in Europa nicht zu einer wachsenden Kluft führe und worüber sich Europa wirklich Sorgen machen sollte, bleibt allerdings hinter der Bezahlschranke verborgen.
Einordnung
Krugman, ein liberaler Ökonom und Kolumnist, formuliert hier eine bewusste Gegenposition zum in angelsächsischen Debatten verbreiteten Defätismus bezüglich Europas Wirtschaft. Er stellt die Deutungshoheit von Kennzahlen wie dem Produktivitätswachstum infrage – ein typisches Manöver, um eine differenziertere Wohlstandsmessung einzufordern. Der Text ist eine direkte Replik und offenbart eine argumentative Baustelle: Krugman räumt ein, seinen zentralen Punkt bisher nicht ausreichend klar gemacht zu haben und muss nachliefern. Die eigentliche Beweisführung und die politischen Schlussfolgerungen bleiben im frei zugänglichen Teil vage. Die Lektüre lohnt sich für Leser:innen, die eine pro-europäische, aber datengestützte Perspektive auf den transatlantischen Wirtschaftsvergleich suchen – allerdings nur, wenn sie bereit sind, die Paywall zu überwinden. Ohne Zugang bleibt es ein teasernder Meinungsbeitrag, der mehr verspricht, als er einlöst.