In dieser Episode von „The Take" geht es um eine studentische Recherche, die eine systematische Praxis an US-Eliteuniversitäten offenlegt. Im Zentrum steht die Frage der Einwilligung: Wer entscheidet, was mit einem Körper nach dem Tod geschieht – und wem wird diese Entscheidung verschwiegen? Die Dokumentation rekonstruiert, wie die University of Southern California (USC) und die University of California, San Diego über Jahre menschliche Leichname an die US Navy lieferten, wo sie für das Training israelischer Militärmediziner:innen eingesetzt wurden. Die Spender:innen und ihre Angehörigen seien darüber nicht informiert worden. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass Universitäten im Rahmen von Forschungs- und Lehrvereinbarungen auch militärische Partner bedienen dürfen – solange kein explizites Verbot in den Verträgen steht. Dass diese Praxis ethische Fragen aufwirft und viele Spender:innen sie ablehnen würden, erscheint hier als nachträgliche Entdeckung, nicht als vorweggenommene Verpflichtung.

Zentrale Punkte

  • Verträge mit der US Navy Die USC habe seit 2018 über eine Million Dollar für mindestens 89 Leichname erhalten, wobei die Verträge ausdrücklich die US Navy und das israelische Militär nennen würden. Die Körper seien vor allem von der UC San Diego im Rahmen eines Leihabkommens bezogen worden.
  • Simulation von Kampfverletzungen Israelische Chirurg:innen trainierten viermal jährlich in Los Angeles an sogenannten „perfundierten Leichnamen", die mit einer blutähnlichen Flüssigkeit durchströmt würden. Die Übungen simulierten Schuss- und Sprengverletzungen, was eine realitätsnahe Vorbereitung auf militärische Einsatzszenarien schaffe.
  • Keine Zustimmung der Spender:innen Die Verträge zur Körperspende an USC und UC San Diego erwähnten keine militärische Nutzung. Angehörige hätten erst durch die Recherche erfahren, dass ihre Verstorbenen für Armee-Trainings verwendet wurden. Ein Widerruf nachträglich sei für Betroffene emotional belastend und logistisch schwierig.

Einordnung

Die Episode liefert eine präzise Rekonstruktion eines Vorgangs, der ohne die studentische Recherche verborgen geblieben wäre. Die Beweisführung stützt sich auf Vertragsdatenbanken, medizinische Fachartikel und Aussagen von Angehörigen. Besonders eindrücklich ist der Nachweis, dass die Formulierungen in den Spendenverträgen eine militärische Verwendung nicht ausschlossen – und genau darin liegt die systemische Lücke. Die Stärke des Beitrags liegt im beharrlichen Nachhaken bei offiziellen Stellen, etwa der Navy oder den Universitätsleitungen, und im Sichtbarmachen konkreter Konsequenzen für Hinterbliebene.

Kritisch bleibt, dass die universitäre Position, es handle sich um „Bildung" und nicht um militärisches Training, nur knapp abgehandelt wird. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der rechtlichen Grauzone und der Frage, ob die Navy das Training auch ohne universitäre Partner durchführen könnte, fehlt. Zudem wird die ethische Debatte primär am fehlenden Einverständnis festgemacht – nicht an der grundsätzlichen Frage, ob Körperspenden für militärische Zwecke eingesetzt werden sollten. Dass die Empörung über israelische Beteiligung im Kontext des Gaza-Kriegs entflammte, wird authentisch dokumentiert, jedoch nicht um Perspektiven ergänzt, die militärische Kooperationen unter Bündnispartnern anders bewerten.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie universitäre Körperspende-Programme ohne öffentliche Kontrolle funktionieren und wo die Grenzen von Einwilligung verschwimmen.

Sprecher:innen

  • Malika Bilal – Moderatorin von The Take, preisgekrönte Journalistin
  • Dena Takruri – Senior Presenter bei AJ+, Host der Doku-Serie „Direct From"