In dieser Episode des OMR Podcasts spricht Host Philipp Westermeyer mit Alexander Wehrle, dem Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart. Im Zentrum steht Wehrles Werdegang vom Verwaltungswissenschafts-Studenten zum Chef eines Fußball-Bundesligisten sowie die wirtschaftliche und sportliche Trendwende des Vereins. Das Gespräch bewegt sich in einem anerkennenden, am Erfolg ausgerichteten Rahmen, der unternehmerische Entscheidungen und Professionalisierung als zentrale Treiber dieser Entwicklung darstellt. Der Fußballverein wird dabei durchgehend als mittelständisches Wirtschaftsunternehmen der Unterhaltungsbranche verstanden, dessen Managementprinzipien sich kaum von anderen Industrien unterschieden.
Zentrale Punkte
- Der Aufstieg als Management-Leistung Die Renaissance des VfB Stuttgart erkläre sich durch eine breitere Führungsstruktur und kluge Personalentscheidungen, vor allem mit Trainer Sebastian Hoeneß. Entscheidend sei die wirtschaftliche Stabilisierung gewesen – durch neue Anteilseigner und gezielte Transfers –, die wiederum sportlichen Erfolg ermöglicht habe.
- Gehälter als Marktergebnis Die hohen Gehälter von Fußball-Manager:innen seien durch Angebot und Nachfrage sowie den hohen öffentlichen Druck zu erklären. Gleichzeitig räumt Wehrle ein, dass sich diese Gehälter im Vergleich zu Berufen wie Chefarzt oder Bundeskanzler nur schwer rechtfertigen ließen, und bezeichnet sie teils als eine Art "Schmerzensgeld".
- Finanzielle Stabilisierung durch regionale Vernetzung Das Bündnis mit Porsche und Mercedes sowie weiteren Unternehmen aus Baden-Württemberg habe Eigenkapital gebracht und neue Geschäftsbereiche eröffnet. Wehrle betont, Porsche sei nur eingestiegen, weil Mercedes an Bord blieb – das Ziel sei eine gemeinsame Entwicklung "aus der Region für die Region" gewesen.
Einordnung
Das Gespräch bietet einen direkten Einblick in die Denkweise eines modernen Fußballmanagers und skizziert nachvollziehbar, wie Verantwortliche wirtschaftliche Faktoren mit sportlichem Erfolg verknüpfen. Die präzisen Zahlen – von 154 auf über 300 Millionen Euro Umsatz, von 4 auf über 60 Millionen Euro Eigenkapital – liefern konkrete Anhaltspunkte für die Größenordnung des Wandels. Dass Wehrle eigene Gehälter mit dem Begriff „Schmerzensgeld“ belegt, deutet eine für den Profifußball seltene, aber oberflächliche Selbstreflexion an.
Die Darstellung bleibt in einer Management-Perspektive verhaftet, die vor allem Kennzahlen und strategische Entscheidungen hervorhebt. Dass das finanzielle Wachstum wesentlich an internationale Sportwettbewerbe und den Transfermarkt gekoppelt ist – Bereiche mit eigenen Abhängigkeiten und Ungleichheiten –, wird nicht problematisiert. Die regionale Industriepartnerschaft erscheint als Win-Win-Geschichte; kritische Perspektiven etwa zur Vereinskultur, zu Fankapitänen oder zu möglichen Interessenkonflikten durch Investoren fehlen im Gesprächsverlauf. Eine Einordnung, wie repräsentativ dieses Modell für andere Vereine sein kann, bleibt aus. So wirkt die Episode wie eine Fallstudie gelungenen Sport-Managements, die dennoch wenig über die Grenzen dieser Logik verrät.
Hörempfehlung: Für Zuhörer:innen, die sich für die Schnittstelle von Sport und Wirtschaft interessieren oder verstehen wollen, wie ein Bundesliga-Manager seinen Job strukturiert, bietet die Episode dichte Einblicke.
Sprecher:innen
- Philipp Westermeyer – Gründer von OMR und Host des OMR Podcasts
- Alexander Wehrle – Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart