In dieser Episode des Lawfare-Podcasts diskutieren Benjamin Wittes und Eric Columbus eine außergewöhnliche rechtliche Einigung: Donald Trump und seine Söhne hätten ihre Klage gegen das IRS und das Finanzministerium fallen lassen. Im Gegenzug sei ein mit 1,776 Milliarden Dollar dotierter Fonds eingerichtet worden, der ausschließlich Opfern einer angeblichen „Bewaffnung" des Justizministeriums unter demokratischen Regierungen zugutekommen solle. Zusätzlich sei der Trump-Familie umfassende Immunität vor jeglichen künftigen Durchsetzungsmaßnahmen der Bundesregierung gewährt worden. Die Diskussion entfaltet sich entlang der Frage, wie diese beispiellose Konstruktion juristisch möglich sei und welche verfassungsrechtlichen, ethischen und praktischen Probleme sie aufwerfe. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass der sogenannte Judgement Fund, ein Topf zur Begleichung von Prozesskosten der Regierung, auf eine Weise genutzt werden könne, die über den Einzelfall hinaus politische Ziele bedient.
Zentrale Punkte
- Fonds als politisches Instrument Die Einigung sehe vor, dass Gelder aus dem Judgement Fund nicht an die eigentlichen Kläger flössen, sondern für einen Fonds genutzt würden, der Ansprüche von Dritten bediene. Die Begünstigten seien dabei auf angebliche Opfer ausschließlich demokratischer Administrationen beschränkt, was eine explizit politische und nicht fallbezogene Verwendung der Mittel darstelle.
- Blanko-Immunität für die Trump-Familie Ein erst später bekannt gewordener Teil des Deals gewähre Donald Trump, seinen Familienmitgliedern und deren Unternehmen vollständige Immunität vor jeglichen Durchsetzungsmaßnahmen der Bundesregierung – rückwirkend und für jeden denkbaren Rechtsverstoß. Dies sei als genereller Straferlass konstruiert, der über gewöhnliche Kronzeugenregelungen weit hinausgehe.
- Fehlende Klagemöglichkeit trotz Rechtsverstoß Es sei höchst unklar, wer rechtlich gegen diese Konstruktion vorgehen könne. Zwar gebe es massive Bedenken hinsichtlich des Selbstkontrahierungsverbots und der Zweckentfremdung von Geldern, doch eine Person mit der nötigen Klagebefugnis zu finden, die eine konkrete und individuelle Betroffenheit nachweisen könne, sei extrem schwierig.
Einordnung
Die Episode leistet eine präzise juristische Tiefenanalyse eines Vorgangs, der die Grenzen des Rechtsstaats auslotet. Die Stärke des Gesprächs liegt in der ruhigen und detaillierten Zerlegung der Mechanismen: Statt bei Empörung stehen zu bleiben, seziert Columbus Schritt für Schritt die Nutzung des Judgement Fund, die Neuartigkeit der Drittbegünstigung und die Schwächen der Rechtskonstruktion. Besonders wertvoll ist die Diskussion der Immunitätsklausel und die klare Benennung der ethischen Konflikte von Justizminister Todd Blanche, der als früherer Strafverteidiger Trumps nun dessen umfassende Entlastung betreibt.
Allerdings bleibt die Analyse strikt innerhalb der juristischen Logik und blendet die politökonomische Dimension fast vollständig aus. Die Einigung wird als rechtliches Kuriosum und ethischer Sündenfall verhandelt, nicht aber als Ausdruck einer tieferliegenden Strategie zur dauerhaften Umverteilung öffentlicher Mittel an politisch loyale Netzwerke. Die Frage, warum dieses Verhalten trotz aller offensichtlichen Mängel dennoch möglich scheint, wird nur auf individuelle Akteure wie Blanche bezogen, nicht aber auf eine systematische Schwäche der rechtlichen oder politischen Kontrollinstanzen. Der bemerkenswerte Satz „I don't see how you can... represent that client... and you are engineering immunity for him from the federal government. I just don't see how that's possibly ethical" zeigt die Fassungslosigkeit angesichts eines offenen Interessenkonflikts, dessen Sanktionierung Columbus aber selbst für unwahrscheinlich hält.
Das Gespräch ist ein aufschlussreiches Dokument für alle, die verstehen wollen, wie demokratische Rechtsinstitute dehnbar gemacht werden können, ohne dass es eine offensichtliche Handhabe dagegen gäbe. Es setzt jedoch juristische Vorbildung voraus.
Sprecher:innen
- Benjamin Wittes – Herausgeber von Lawfare und Moderator des Podcasts
- Eric Columbus – Senior Editor bei Lawfare und ehemaliger Justizbeamter