In dieser Episode diskutieren Gavin und Thomas Gigold eine Reihe aktueller Entwicklungen aus der Welt der sozialen Medien. Den Aufhänger bildet die Vorstellung eines neuen, von der Hörer:innen-Community des Podcasts entwickelten Tools – eines Trackers, der sämtliche Klageverfahren und Prozesse gegen große Tech-Plattformen übersichtlich sammelt. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf den neuen Bezahlmodellen des Meta-Konzerns, die tiefgreifende Veränderungen für die Nutzung von Instagram, Facebook und WhatsApp mit sich bringen würden. Wie im gesamten Gespräch deutlich werde, werde hierbei eine Entwicklung besprochen, die kreative Arbeit auf Plattformen grundlegend verändern könnte: von einem vermeintlich freien, für alle gleichermaßen zugänglichen Raum hin zu einem Modell, in dem Reichweite und Funktionsumfang zunehmend vom Geldbeutel der Nutzer:innen abhingen.
Zentrale Punkte
- Metas Weg zum Bezahlmodell Instagram, Facebook und WhatsApp führten „Plus“-Mitgliedschaften ein, die für 3,99 bzw. 2,99 Euro im Monat Zusatzfunktionen freischalteten. Meta plane zudem ein umfassendes Abo-Modell namens „Meta One“, das mit einem 50-Dollar-Tarif Creatorn gegen Bezahlung höhere Sichtbarkeit und Reichweite in den Feeds verspreche.
- Funktionen als Creep-Werkzeug Besonders kritisch gesehen werde, dass das gebündelte Angebot Funktionen enthalte, die missbräuchlich genutzt werden könnten. Die Möglichkeit, Storys anonym anzuschauen und gleichzeitig im eigenen Profil zu sehen, wer die eigenen Inhalte mehrfach aufrufe, wird als „perfektes Feature-Paket für Creeps“ und digitale Stalker dargestellt.
- Verbot von Bildschirmzeit für Kleinkinder Bundesministerin Karin Prien fordere ein gesetzliches Verbot digitaler Medien für Kinder unter drei Jahren und zieht Parallelen zur gewaltfreien Erziehung. Im Podcast werde dem entgegengehalten, der Vorschlag sei praxisfern, ungenau definiert und stelle eine Bevormundung von Eltern dar, die gelegentlich kurze Auszeiten mit digitalen Hilfsmitteln überbrückten.
Einordnung
Das Gespräch lebt von der Expertise und der kritischen Haltung der beiden Sprecher, die technische Entwicklungen nicht nur beschreiben, sondern konsequent auf ihre gesellschaftlichen Konsequenzen hin abklopfen. Besonders deutlich wird dies in der Analyse der neuen Meta-Funktionen: Hier werde nicht bloß ein neues Preisschild kommentiert, sondern die spezifische Zusammenstellung der Features als potenziell gefährlich eingeordnet – ein klarer Fall von Design-Entscheidungen, die Missbrauch sogar monetarisieren. Ebenso zeigt die Diskussion um Account-Sperrungen und mangelnden Support strukturelle Probleme auf, die mit der schieren Größe der Plattform und völlig unzureichenden Investitionen in menschliche Moderation zusammenhingen.
Die grundlegende ökonomische Prämisse, dass Plattformen notwendigerweise jeden Bereich monetarisieren und sich dem „Hyperkapitalismus“ unterwerfen müssten, bleibt im Gespräch jedoch weitgehend unhinterfragt. Die Kritik richtet sich gegen die konkreten Auswüchse – das „Pay-to-win“-Prinzip oder die mangelnde Verantwortungsübernahme –, nicht gegen die Gewinnlogik an sich. Bei der Diskussion um Karin Priens Vorstoß fehlt zudem eine tiefere Auseinandersetzung mit den sozioökonomischen Faktoren, die Familien überhaupt dazu bringen können, digitale Medien extensiv zur Kinderbetreuung einzusetzen – die Perspektive von überlasteten Alleinerziehenden oder Eltern ohne Zugang zu familiärer Unterstützung wird nicht eingenommen. Hier reproduziert das Gespräch eine primär auf individuelle Verantwortung setzende Sichtweise, wie sie auch der kritisierten Ministerin attestiert wird.
Sprecher:innen
- Gavin – Moderator des Podcasts „Haken dran – das Social-Media-Update der c't“
- Thomas Gigold – Digital Content Director bei Liga Nova Mesh, Autor des Newsletters „Social Media Morgen“, Entwickler des Klagen-Trackers