Roger Köppel eröffnet die Sendung mit einer Mischung aus Sportjubel und politischer Agenda. Der Schweizer Sieg im WM-Viertelfinale gegen Kolumbien wird als Charakterbeweis der Mannschaft gefeiert, wobei Köppel insbesondere Granit Xhaka trotz früherer Kritik lobend hervorhebe. Der Fussball diene ihm als Sprungbrett für eine Verteidigung des "Dream-Teams" Infantino-Trump, deren Telefonat nach einer roten Karte von Köppel als konstruierter Skandal einer missgünstigen Presse dargestellt werde.

Den Ukraine-Krieg bespricht Köppel vor dem Hintergrund seiner Moskau-Reise. Er warne vor einer gefährlichen Eskalation, da nun russisches Territorium direkt angegriffen werde – eine neue Stufe, die er mit 9/11 vergleiche. Dabei setzt er als selbstverständlich voraus, dass die westliche Unterstützung der Ukraine eine einseitige Kriegsbeteiligung darstelle, die eine Gegeneskalation provozieren werde.

Zentrale Punkte

  • Das "Dream-Team" gegen die "Giftgas-Mentalität" Köppel behaupte, die angebliche Einflussnahme Trumps auf eine FIFA-Entscheidung sei ein durchschaubarer journalistischer Angriff auf Infantino und Trump. Medien würden die gelungene WM nur als Waffe nutzen, um dieses "Traumgespann" zu beschädigen.
  • Selektive Sicht auf den Krieg Auf Leserkritik, er erwähne nordkoreanische und iranische Waffenlieferungen an Russland nicht, entgegne Köppel, dies stehe ja "in jeder Zeitung". Er müsse nicht wiederholen, was der Mainstream sage. Stattdessen fragt er suggestiv, ob die Schweiz auf einer "Abschussliste" stehe, falls der Krieg eskaliere.
  • Inszenierung als letzter unabhängiger Journalist Köppel stelle seine Berichterstattung als notwendigen Gegenpol zum medialen Gleichklang dar. Er müsse Ausschnitte der Wirklichkeit nicht mit dem "Herunterleiern" der Positionen von SRF oder NZZ rechtfertigen. Kritik an seiner Einseitigkeit wertet er als "Bankrotterklärung der Argumente".

Einordnung

Die Sendung ist ein Musterbeispiel für Köppels journalistisches Selbstverständnis: Er inszeniert sich als einsamer Rufer gegen einen vermeintlich gleichgeschalteten Mainstream. Die Stärke liegt darin, dass er tatsächlich Fragen aufwirft, die in der öffentlichen Debatte unterbeleuchtet sein mögen – etwa die realen Eskalationsrisiken im Ukraine-Krieg. Auch seine kurze Differenzierung beim Thema Sexualkunde in St. Galler Schulen, wo er nicht pauschal in den "Kulturkampf" einstimmt, zeigt journalistisches Bemühen.

Dennoch bleiben grundlegende Probleme: Köppel vermischt konsequent Meinung und Analyse, ohne dies transparent zu machen. Die Trump-Infantino-Affäre wird als reine Medienkampagne abgetan, ohne die grundsätzliche Frage politischer Einflussnahme auf vermeintlich unabhängige Gremien zu diskutieren. Sein Argument, er müsse nicht berichten, was "in jeder Zeitung" stehe, ist ein durchsichtiges Manöver, um sich der Ausgewogenheitspflicht zu entziehen. Die suggestive Frage nach einer "Abschussliste" der Schweiz ist keine Analyse, sondern eine emotionalisierende Zuspitzung ohne Faktenbasis.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die verstehen wollen, wie sich ein meinungsstarker Publizist gegen journalistische Normen der Ausgewogenheit stellt – und welche Argumentationsmuster dabei zum Einsatz kommen.

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, mehrfach als Gast in russischen Staatsmedien aufgetreten