Die USA bombardieren den Iran, das Regime sperrt die Straße von Hormus – und die deutsche Politik, so der Tenor dieser Episode, habe jahrelang weggeschaut. Moderator Oliver Mayer-Rüth spricht von „Anbiederung" und verweist auf Frank-Walter Steinmeiers Glückwünsche zum 40. Jubiläum der Islamischen Republik. Ahmad Mansour wiederum sieht die deutsche Politik „ertrunken in Naivität im Umgang mit islamistischen Autokraten", und auch die feministische Außenpolitik sei „komplett gescheitert". Beide setzen voraus, dass die Bundesregierung das iranische Regime über Jahre falsch eingeschätzt habe – eine Einschätzung, die sie mit Gast Bijan Djir-Sarai teilen. Der frühere FDP-Politiker, 1976 in Teheran geboren und später nach Deutschland gekommen, argumentiert aus einer biografisch geprägten Perspektive: Das Mullah-Regime sei ein Terrorregime, das mit Doppelstrategie arbeite – nach außen diplomatisch, nach innen brutal.
Zentrale Punkte
- Deutsche Iran-Politik als naiv Die deutsche Außenpolitik der letzten Jahre habe gegenüber dem Iran durchgehend auf Diplomatie gesetzt, ohne die menschenverachtende Natur des Regimes zu erkennen. Djir-Sarai sei selbst zunächst für das Atomabkommen gewesen, habe dann aber die „Doppelstrategie" Teherans erkannt: Verhandlungen nach außen, Repression und Raketenprogramm nach innen.
- Trennung von Regime und Volk Die iranische Bevölkerung dürfe nicht mit den Mullahs gleichgesetzt werden. Mansour betone, viele Iraner:innen hätten die Angriffe der USA und Israels auf das Regime sogar gefeiert. Die Hoffnung liege darauf, dass die Menschen im Iran selbst irgendwann in Freiheit leben könnten – mit oder ohne militärische Intervention von außen.
Einordnung
Die Episode liefert eine pointierte, stellenweise wütende Abrechnung mit einer Außenpolitik, die von den Sprechern als realitätsfremd wahrgenommen wird. Die Stärke liegt in der persönlichen Expertise Djir-Sarais, der sowohl die politischen Mechanismen in Berlin als auch die Verhältnisse im Iran aus eigener Erfahrung kennt. Konkrete Beispiele – das Atomabkommen, Steinmeiers Gratulation – machen die Kritik nachvollziehbar. Die Diskussion bleibt jedoch fast durchgehend in einem binären Denkmuster: hier das naive Deutschland, dort das durch und durch böse Regime. Dass diplomatische Ansätze auch geopolitische oder wirtschaftliche Beweggründe haben könnten, die über Naivität hinausgehen, wird nicht erwogen.
Kritisch zu sehen ist, dass Alternativen zur Konfrontationslogik kaum diskutiert werden. Militärische Interventionen der USA und Israels werden als begrüßenswerte Entwicklung dargestellt, ohne dass deren völkerrechtliche Legitimität oder die humanitären Folgen thematisiert würden. Die feministische Außenpolitik wird mit dem Verweis auf einen gescheiterten Syrien-Besuch pauschal verworfen, statt ihre möglichen Widersprüche differenziert zu betrachten. Ahmad Mansour beschreibt die deutsche Politik als „ertrunken in Naivität" – eine Metapher, die weniger analysiert als moralisch aburteilt.
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die eine pointierte, persönlich gefärbte Perspektive auf die deutsche Iran-Politik suchen und dabei eine klare Abgrenzung vom Mullah-Regime teilen.
Sprecher:innen
- Ahmad Mansour – Autor und Psychologe, in Israel geboren, Experte für Islamismus
- Oliver Mayer-Rüth – Journalist, Co-Moderator des BR-Podcasts „Kaffee, extra schwarz"
- Bijan Djir-Sarai – FDP-Politiker, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär, 1976 in Teheran geboren