Der FALTER-Radio-Podcast bietet ein ausführliches Abschiedsinterview mit Peter Kaiser, nach zwölf Jahren Landeshauptmann von Kärnten. Die Redakteure Jürgen Klatzer und Nina Horaczek befragen ihn über mögliche Koalitionen mit der FPÖ, die Polizeiaktion gegen das Antifa-Camp am Perschmannhof, die mangelnde Frauenförderung in der SPÖ und die Zukunft der Sozialdemokratie.

1 Mögliche Koalition mit der FPÖ

Kaiser relativiert die Aussagen seines potenziellen Nachfolgers Daniel Fellner, der eine Zusammenarbeit mit der FPÖ nicht ausschließt: "Daniel Fellner hat mit etwas anderen Worten das gesagt, was ich auch vor jeder Wahl gesagt und nach jeder Wahl getan habe. Ich bin bereit mit allen Parteien über Regierungsbildungen [...] zu sprechen."

2 Polizeieinsatz am Perschmannhof als emotionale Wunde

Der Einsatz gegen das Antifa-Camp am historischen Ort der slowenischen Minderheit habe "tiefe emotionale Verletzungen erzeugt" und Erinnerungen an NS-Verbrechen wachgerufen. Kaiser kündigt Aufklärungsarbeit an: "Ich werde alles tun [...] dass wir einerseits klar feststellen, wie es zu dieser Situation gekommen ist."

3 Frauen in der SPÖ: "Ein wirkliches Armutszeugnis"

Trotz Selbstverständnis als feministische Partei habe die SPÖ auf Bundesebene nur eine Parteivorsitzende gehabt, die "herausgemobbt" wurde, und in keinem Bundesland eine Landesparteichefin. Kaiser bezeichnet dies als "unbefriedigend" und "notwendig, hier auch an uns selbstkritisch zu arbeiten."

4 Verlust der Arbeiter:innen-Klientel

Kaiser analysiert den Rechtsruck vieler Arbeiter:innen: Die SPÖ habe durch ihre Erfolge "die wirklichen proletarischen Nöte [...] abgeschafft" und damit ihr Alleinstellungsmerkmal verloren. Heute seien 88.000 Kärntner:innen von Armut bedroht.

5 Fehlende Durchsetzungskraft bei Vermögenssteuer

Obwohl Kaiser seit 2009 für eine Reichensteuer wirbt, sei nichts umgesetzt worden. Er rechtfertigt dies mit fehlendem "Vertrauen der Wählerinnen" und Koalitionszwängen: "Das steht ja nicht im Regierungsprogramm."

6 Persönliche Bilanz nach 52 Jahren Politik

Kaiser blickt auf seine politische Sozialisation zurück, die mit 14 Jahren begann, und schließt aus: "Ich bin Realist [...] von dem Peter Kaiser inne wohnenden Planung habe ich nichts diesbezügliches großes vor."

Einordnung

Das Interview zeigt ein Medium, das sich journalistisch-professionell versteht: Die FALTER-Redakteure stellen kritische Gegenfragen, verweisen auf Widersprüche und lassen Kaiser nicht in Selbstinszenierung verharren. Besonders bemerkenswert ist, wie offen der scheidende Landeshauptmann die Defizite seiner Partei benennt – von der mangelnden Frauenförderung bis zum Verlust der Arbeiter:innen-Klientel. Die Diskussion über mögliche Koalitionen mit der FPÖ wird kontextualisiert, ohne dass rechte Positionen normalisiert würden. Die Perspektive bleibt klar auf Kärnten fokussiert, während die gesellschaftlichen Herausforderungen wie steigende Armut und Wohnungsnot pointiert angesprochen werden. Die journalistische Leistung liegt darin, Kaisers Selbstkritik nicht als bloße Rhetorik stehen zu lassen, sondern mit konkreten Zahlen und Beispielen zu konfrontieren.