Die Episode untersuche das Phänomen des „TikTok-Tourismus“, bei dem Social-Media-Stars auf Instagram und TikTok Reiseziele millionenfach bewerben. Dabei werde einerseits die ökonomische Dimension des Influencer-Marketings beleuchtet – von Bezahlung pro 1.000 Aufrufen bis zu staatlichen Marketingkampagnen –, andererseits die gesellschaftlichen Folgen: von der Zerstörung sensibler Ökosysteme am Königssee bis zur Vertreibung lokaler Bevölkerung in marokkanischen Fischerdörfern. Besonders kritisch betrachte die Sendung Reisen in autoritäre Regime, die als „unpolitisch“ vermarktet würden, aber als implizite Regime-Propaganda fungierten. Als selbstverständlich werde dabei die Marktlogik der Aufmerksamkeitsökonomie übernommen, ohne dass die strukturelle Verantwortung der Plattformen für algorithmische Verstärkung tiefgreifend hinterfragt werde.

Zentrale Punkte

  • Ökologische Zerstörung am Königssee Nach einem viralen Post der Influencerin Yvon Pferrer sei der sogenannte Infinity Pool am Königssee zum Massentourismus-Hotspot geworden. Rangerin Marina Unterreiner berichte von bis zu 350 Besucher:innen täglich, der Entstehung von drei Kilometern Trampelpfaden durch zerstörte Vegetation und mehreren Bergwacht-Einsätzen. Das Areal müsse schließlich als Sperrgebiet mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro ausgewiesen werden.

  • Gentrifizierung im globalen Süden Das Fischerdorf Imsouane in Marokko sei durch Social-Media-Hype zum Surftouristen-Magneten geworden. Einheimische wie der Guide Mohammed Sisi berichten, dass die marokkanische Regierung 2024 rund 100 Häuser als „illegale Bauten“ habe abreißen lassen, um Investor:innen Platz zu machen. Die lokale Bevölkerung werde dabei verdrängt und profitiere nicht vom Tourismusboom, während westliche Influencer vor Ort vor allem ihre Reichweite mehren würden.

  • Propaganda-Reisen in Diktaturen Influencer wie Luca Pferdmenges reisten in Nordkorea oder Syrien und verbreiteten scheinbar unpolitische Inhalte über Gastfreundschaft und Kultur. Medienforscher Oliver Zöllner argumentiere, dies mache sie zu „Helfershelfern“ der Regime, da sie die Realität verschönern und Menschenrechtsverletzungen ausblenden. Der Fall „From Russia with Love“ zeige zudem direkte Kreml-Finanzierung von Reisecontent als verdeckte Propaganda.

Einordnung

Die Episode leiste fundierte Recherche zu den ökonomischen Mechanismen des Influencer-Marketings und beleuchte mit konkreten Zahlen und Ortsbegehungen die ökologischen und sozialen Folgen des Massentourismus. Die Integration lokaler Stimmen wie der Rangerin oder des marokkanischen Guides gebe den Betroffenen Raum und vermeide eine rein elitäre Kritik an „Rucksacktouristen“. Kritisch bleibe, dass die Verantwortung primär bei den einzelnen Influencer:innen und deren Followern verortet werde, während strukturelle Fragen zur Regulierung der Plattformalgorithmen oder zur rechtlichen Einordnung staatlich gesteuerter Werbeinhalte in Diktaturen unterbelichtet blieben. Der analytische Unterschied zwischen unbeabsichtigten Schäden durch Massentourismus und gezielter Propaganda in Autokratien werde dabei nur ansatzweise herausgearbeitet. Die Sendung verzichte auf moralisierende Tone und biete stattdessen pragmatische Handlungsoptionen für Konsumierende.

Hörempfehlung: Lohnt sich für alle, die sich für die Mechanismen der Social-Media-Aufmerksamkeitsökonomie und deren reale Auswirkungen auf Umwelt und lokale Gemeinschaften interessieren – differenziert recherchiert ohne sensationsgierige Vereinfachung.

Sprecher:innen

  • Olivia Samnik – Autorin und Sprecherin (SWR)
  • Bartolomeus Lafat – Autor (SWR)
  • Harald Pechlaner – Tourismusforscher (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
  • Oliver Zöllner – Kommunikationswissenschaftler (Hochschule der Medien Stuttgart)
  • Marina Unterreiner – Rangerin (Nationalpark Berchtesgaden)
  • Christina Wayne Bender – Journalistin (Zentrum für Investigativjournalismus)
  • Dirk Hendriks – Marketingleiter (Reiseanbieter Ameropa)
  • Karoline Scheiter – Sprecherin (Nationalpark Berchtesgaden)