Ones and Tooze: The Enduring Impact of the War in Iran
Wirtschaftsanalyse eines Iran-Krieges: Warum die Golfstaaten robuster sind als gedacht und China langfristig profitiert.
Ones and Tooze
29 min read1846 min audioIn der Episode des Foreign-Policy-Podcasts „Ones and Tooze“ analysieren Cameron Abadi und Adam Tooze die langfristigen ökonomischen Konsequenzen eines laufenden Krieges im Iran. Ausgangspunkt ist die Bedeutung der Straße von Hormus für den globalen Öl- und Gashandel sowie die Auswirkungen auf verschiedene Sektoren.
Die Diskussion verhandelt den geopolitischen Konflikt fast ausschließlich durch eine makroökonomische Brille, wobei Marktlogiken und globale Wettbewerbsfähigkeit als primäre Analysewerkzeuge dienen. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Staaten letztlich nach rationalen ökonomischen Kosten-Nutzen-Prinzipien handeln und Märkte nach einer Krise naturgemäß zu einem Normalzustand zurückkehren.
### Zentrale Punkte
* **Differenzierung der Golfstaaten**
Tooze betone, dass die Golfstaaten keine homogene Gruppe seien. Während Katar extrem von Gas abhänge, sei Dubai als diversifiziertes Handelszentrum trotz kurzfristiger Schocks langfristig widerstandsfähig.
* **Beschleunigte Energiewende**
Durch den Preisschock bei fossilen Energien würden Länder langfristig zur Elektrifizierung gedrängt. Davon profitiere primär China, das den Markt für grüne Technologien und Batterien systematisch dominiere.
* **Kritik an US-Geopolitik**
Der Krieg werde von US-Seite nicht strategisch geführt. Die Trump-Administration verfolge keine kohärente Energiepolitik, sondern handele unberechenbar, primär getrieben von israelischen Interessen und Spekulationen.
### Einordnung
Das Format besticht durch detaillierte Expertise, die gängige Klischees über autarke Petrostaten dekonstruiert und differenziert darlegt, wie Golfstaaten in grüne Energien investieren. Auffällig ist jedoch der stark abstrahierte, technokratische Blick: Kriegszerstörung und menschliches Leid werden als rein ökonomische Variablen wie Preisschocks oder Fachkräftemangel gerahmt. Die außenpolitischen Aktionen der US-Regierung wertet Tooze als gänzlich strategielos ab, was er mit der Formulierung „Trumpian cosplay geopolitics again“ (erneute Trump'sche Cosplay-Geopolitik) unterstreicht. Ethische oder völkerrechtliche Perspektiven auf den Konflikt bleiben zugunsten einer reinen Marktanalyse komplett ausgespart.
**Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die an nüchternen, makroökonomischen Analysen geopolitischer Krisen interessiert sind und komplexe Marktdynamiken verstehen möchten.
### Sprecher:innen
* **Cameron Abadi** – Stellvertretender Chefredakteur bei Foreign Policy
* **Adam Tooze** – Wirtschaftskolumnist und Geschichtsprofessor an der Columbia University