Der Journalist António Freitas de Sousa und der erfahrene Diplomat Francisco Seixas da Costa diskutieren in der portugiesischen Podcast-Folge "Die Kunst des Krieges" ausschließlich die Geschehnisse um den Alaskagipfel und die anschließenden Verhandlungen über eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine. Seixas da Costa wirft Donald Trump vor, aus eigensinnigen Motiven – insbesondere dem Streben nach einem Friedensnobelpreis – einseitig Druck auf Kiew und die europäischen Verbündeten auszuüben. Er schildert, dass Trump ein Abkommen vorgelegt habe, das der Ukraine 20 % ihres Territoriums abverlange und gleichzeitig keine klaren Sicherheitsgarantien biete. Die europäischen Staats- und Regierungschefs seien bei ihrem Washington-Besuch demütigend behandelt worden und hätten keine eigene Strategie, sondern schieben lediglich Wolodymyr Selenskyj vor, „ihre“ Kriegsfront zu verteidigen. Gleichzeitig stellt der Diplomat die Wirksamkeit des NATO-Bündnisfalls infrage und warnt die osteuropäischen Nachbarländer, sich blind auf Artikel 5 zu verlassen.

1. Trump wolle schnellen Erfolg für den Friedensnobelpreis

Seixas da Costa mutmaßt, Trump treibe eine rasche Einigung voran, „weil er die Chance auf den Friedensnobelpreis nicht verlieren“ wolle. Die Entscheidung des Komitees falle im Oktober, daher „spüre man hier eine gewisse Eile“.

2. Ein „löwenhafter“ Deal für die Ukraine

Der vorgeschlagene Vertrag sehe vor, dass die Ukraine 30 % von Donezk räume, dafür lediglich eine „einfrierende“ Frontlinie in Saporischschja und Cherson erhalte. Dies sei „wirklich ein löwenhafter Deal“, da Hunderttausende Ukrainer:innen unter russische Kontrolle fielen.

3. Europäische Führung in der Identitätskrise

Die europäischen Spitzenpolitiker:innen seien „verzweifelt und machtlos“. Trump habe sie in Washington gedemütigt und anschließend mit neuen Zöllen überrascht. Die EU verharre in einer „Zweiklassen-Realität“ und könne nur noch über Geldzahlungen an die USA Einfluss nehmen.

4. Zweifel an der Glaubwürdigkeit des NATO-Artikels 5

Der Diplomat relativiert die oft beschworene Abschreckung durch die NATO: „Artikel 5 bedeutet nicht automatisch eine militärische Antwort.“ Die USA würden bei einem Angriff auf ein Baltikum-Staat wohl nur konventionell reagieren, um nukleares Risiko für New York oder Washington sei unrealistisch.

5. Ukraine als „Frontlinie Europas“

Seixas da Costa beschreibt die Ukraine als „Frontlinie der Europäer, damit der Krieg nicht an deren eigenen Grenzen ausgetragen wird“. Die EU wolle ihre teuer aufgebaute Armee nicht verlieren und daher weiterhin Waffen liefern, solange Ukrainer:innen „in ihrem Namen sterben“.

6. Wahlen in der Ukraine kaum durchführbar

Ein möglicher Machtwechsel in Kiew sei unrealistisch. Selenskyj argumentiere zurecht, unter Kriegsrecht könnten keine Wahlen stattfinden. Trump versuche jedoch, ihn zu diskreditieren, um kompromissbereitere Politiker:innen zu fördern.

Einordnung

Die Sendung präsentiert sich als professionelles journalistisches Format, das komplexe geopolitische Zusammenhänge in allgemeinverständlicher Sprache erklärt. Seixas da Costa nutzt seine diplomatische Erfahrung, um nüchternes, wenn auch pessimistisches Bild der Verhandlungen zu zeichnen. Auffällig ist die klare Machtanalyse: Die USA diktieren die Spielregeln, Europa folgt zögerlich und die Ukraine bleibt letztlich das schwächste Glied. Kritisch anzumerken ist, dass weder russische noch ukrainische Innenperspektiven zu Wort kommen; die Diskussion bleibt auf westliche Beobachtungen beschränkt. Die wiederholte Betonung der ukrainischen „Nationalisten“ und die Unterstellung, die EU nutze das Land als „Fleischbeschauer Europas“, vermitteln eine zynische Grundstimmung, ohne alternative Lösungsansätze aufzuzeigen. Wer differenzierte Einblicke in die diplomatischen Verhandlungen sucht, erhält hier fundierte, wenn auch einseitige Einschätzungen. Wer hingegen nach Perspektiven von Friedensaktivist:innen oder Betroffenen sucht, wird sie vermissen.