Der Newsletter von Public Notice beschreibt, wie Donald Trump die republikanische Kernwählerschaft weißer Christ:innen zunehmend vergrault und Demokraten so die Möglichkeit eröffnet, selbst zur Partei des Glaubens zu werden. Historisch verankert wird der Aufstieg der GOP als Partei der Religiösen unter Reagan, der Evangelikale und konservative Katholik:innen mit Anti-Abtreibungspolitik und Kulturkampf einte, obwohl er kaum gläubig war. Trump radikalisierte diese Strategie durch apokalyptische Szenarien – etwa angebliche Geschlechtsumwandlungen von Kindern durch Demokrat:innen – und band so 2024 auch Teile hispanischer und schwarzer Wählerschaften.

Nach der Wahl testet er jedoch die Loyalität seiner Koalition immer rücksichtsloser: Die gnadenlose Immigrationspolitik vertreibt hispanische Evangelikale, Attacken auf den Papst und die Selbstdarstellung als auferstandener Christus verschrecken konservative Katholik:innen. Der Autor zitiert: „Trump’s move into overt apostasy was a measure of how far he was willing to go in pushing boundaries with even the evangelical Christians who had been key to his own political resurrection.“ Extremistische Führer bleiben aus Machtkalkül bei Trump, doch an der Basis entstehen Risse.

Symbolisch dafür steht die texanische Senatswahl: Während Trump den korrupten, moralisch verkommenen Ken Paxton unterstützt, setzt der Demokrat und Seminarist James Talarico auf eine glaubenszentrierte Kampagne. Der Autor erkennt darin einen Vorboten für 2028, denn gleich mehrere demokratische Spitzenkräfte – Chris Murphy, Pete Buttigieg, Josh Shapiro – betonen moralische und spirituelle Erneuerung. Trumps Amoralität könnte also, so das Fazit, ungewollt den Weg für eine neue religiös unterfütterte Politik ebnen.

Einordnung

Die Analyse neigt dazu, die religiöse Rechte als passives Opfer von Trumps Exzessen zu zeichnen, statt als aktive Gestalterin autoritärer Politik. Sie unterschlägt, dass viele evangelikale Führer Trumps Amoralität gezielt dulden, um eigene radikale Ziele wie die Besetzung des Supreme Courts zu erreichen. Zudem bleibt vage, was die „gläubige Politik“ der Demokrat:innen jenseits moralischer Rhetorik konkret bedeutet; soziale Ungleichheit oder Rassismus werden nur gestreift. Dennoch liefert der Text eine scharfsinnige Momentaufnahme der religiösen Erosion der GOP und ist besonders für politisch Interessierte aufschlussreich, die verstehen möchten, wie Moraldiskurse in den USA neu ausgehandelt werden.