Roger Köppel meldet sich in dieser Episode aus Moskau, wo er an einem internationalen Sicherheitsforum des russischen Sicherheitsrats teilnimmt. Sein Monolog verbindet eine Standortbestimmung zum Ukraine-Krieg mit Seitenblicken auf Frankreich, Grönland und die deutsche Innenpolitik. Zwei Prämissen werden als selbstverständlich gesetzt: Zum einen, dass der Westen unter einer einseitigen, moralisierenden Wahrnehmung leide, die Russlands Perspektive ausblende. Zum anderen, dass die europäischen Interessen eine pragmatische Zusammenarbeit mit Moskau geböten – unabhängig vom Charakter des Regimes, wie er mit Verweis auf die noch „viel schlimmere” Sowjetunion unterstreicht. Köppels Rolle ist die eines Einordners, der zwischen den Zeilen der westlichen Berichterstattung eine übersehene Wirklichkeit freilegen will.
Zentrale Punkte
- Abschied vom Realismus Europas Politik gegenüber Russland habe sich von einer interessenbasierten zu einer rein moralischen Haltung verschoben. Diese Entwicklung führe zu einem dauerhaften Konflikt, der den wirtschaftlichen Interessen Europas – etwa dem Bezug günstiger Rohstoffe – fundamental widerspreche und nur China nutze.
- Deutschland führt Selenskyjs Krieg In Moskau verdichte sich die Wahrnehmung, dass deutsche Technologie für die ukrainischen Kampfdrohnen entscheidend sei und Deutschland faktisch den Krieg führe. Diese Sichtweise, die in den deutschen Medien völlig ignoriert werde, könne für Deutschland gefährliche Eskalationsdynamiken auslösen.
- Spiegelbildliche Propaganda Beide Kriegsparteien würden Propaganda betreiben, und es sei ein typisches Merkmal kriegerischer Auseinandersetzungen, dass eine Seite der anderen die Verbreitung von Lügen vorwerfe. Westliche Medien mit ihrem Fokus auf Selenskyjs Erfolge und dem Ausblenden russischer Vergeltungsschläge seien Teil dieser Einseitigkeit.
Einordnung
Die Episode liefert einen Einblick in die diskursive Strategie, westliche Positionen nicht argumentativ zu widerlegen, sondern ihnen eine komplett andere Perspektive als vermeintlich realistisches Korrektiv gegenüberzustellen. Köppel verweigert sich konsequent dem Rahmen, den Angriffskrieg Russlands als solchen zu benennen – stattdessen spricht er von „militärischen Spezialoperationen” oder stellt westlichen „Triumphalismus” und russische Verluste auf eine Ebene. Dies schafft eine Äquivalenz, die die grundlegende Asymmetrie zwischen Angreifer und Verteidiger einebnet.
Als Stärke kann gelten, dass Köppel sein Versprechen, eine international abweichende Perspektive zu zeigen, ansatzweise einlöst, indem er aus Moskau sendet und die dortige Konferenz als Gegenentwurf zur Münchner Sicherheitskonferenz vorstellt. Allerdings übernimmt er die russische Deutung weitgehend unkritisch – etwa die Behauptung, deutsche Technologie sei kriegsentscheidend, oder die Darstellung russischer Raketenangriffe als reine Vergeltungsschläge. Die russische Regierungsperspektive wird als unterrepräsentiert dargestellt, während ukrainische Stimmen vollständig fehlen. Auch die innenpolitische Passage zur AfD arbeitet mit starken Zuspitzungen: Die juristische und politische Auseinandersetzung mit der Partei wird als hysterische „Hexenjagd” und als „lächerlich” qualifiziert, ohne die konkreten Gründe dieser Auseinandersetzung zu nennen. Die Annahme, dass wirtschaftliche Interessen grundsätzlich Vorrang vor anderen politischen Erwägungen haben sollten, wird als selbstevident und nicht begründungspflichtig behandelt.
„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit auf allen Seiten übrigens und nichts ist gefährlicher oder nichts ist propagandistischer, als wenn eine Seite behauptet, nur die andere Seite behauptet Propaganda”
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die verstehen wollen, wie eine prononciert russlandfreundliche Perspektive auf den Ukraine-Krieg innerhalb eines Schweizer Mediums konstruiert und als unterdrückte Wahrheit präsentiert wird.
Sprecher:innen
- Roger Köppel – Journalist, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, ehemaliger SVP-Nationalrat