In der aktuellen Folge von "Le Masque et la Plume" diskutieren die Kritiker:innen Ariane Allard, Christophe Bourseiller, Murielle Joudet und Jean-Marc Lalanne vor Publikum im Théâtre de l'Alliance française über fünf neue Filme. Die Runde zeigt sich gespalten: Während "Superman" von James Gunn als "super langweilig, super wirr und super hässlich" (Ariane Allard) verrissen wird, loben einige "Transamazonia" als atmosphärisches Meisterwerk. Besonders kontrovers diskutiert wird der Body-Horror-Film "Together", der für die einen eine brillante Genre-Parodie ist, für andere aber zu tief in die Abgründe des Paar-Seins blickt. Die Kritiker:innen streiten offen über Schönheit, politische Botschaften und die Frage, ob Superheld:innen-Filme das Kino zerstören. Auffällig: Die Debatten bleiben sachlich, Perspektivenvielfalt ist gegeben, allerdings dominieren westliche Blickwinkel. Besonders spannend die Selbstreflexion über die Macht von Filmkritik, wenn Zuschauer:innenbriefe ihre eigene Wahrnehmung infrage stellen.
Superman als "pop-faschistische" Kathedrale der Hässlichkeit
Ariane Allard wirft dem neuen Superman vor, er sei "super langweilig, super wirr und super hässlich". Besonders kritisiert sie die "Kardashian-ästhetischen" Frauenfiguren und den "karikierten" Bösewicht als Elon-Musk-Avatar.
Transamazonia zwischen "klimatischem Meisterwerk" und "künstlicher Schwere"
Während Christophe Bourseiller Pia Marés Film als "klimatisches, fesselndes Werk" feiert, das "zwischen Traum und Realität" schwebt, empfindet Murielle Joudet "künstliche Schwere" und "zu gut gezeichnete Konturen" zwischen Indigenen, Evangelikalen und Holzfällern.
Body Horror als "komödiantische Parodie" oder "wahre Angst"
Bei "Together" gehen die Meinungen auseinander: Für Christophe Bourseiller ist es "eine Komödie, verkleidet als Horrorfilm", während Jean-Marc Lalanne "wahre Angst" erlebt und die "plastische Verschmelzung der Körper" als "vertiginöse Metapher" für die Gefahren der Paar-Fusion liest.
Die 2-Minuten-Zeitschleife als "theoretisches Gedankenexperiment"
Junta Yamagushis "In der Schleife" wird als "theoretisches Gedankenexperiment" gewürdigt, das die "Willkür des Drehbuchschreibens" offenlegt, aber auch als "Studenten-Canular" kritisiert, das die Zuschauer "exasperiert".
Fassbinder als "Balzac des deutschen Kinos"
Murielle Joudet ruft zum Sammeln aller Fassbinder-Filme auf: "40 Filme in 17 Jahren - er wollte der Balzac seines Landes sein und er war es auch."
Einordnung
Die Sendung präsentiert sich als anspruchsvolles, journalistisch ambitioniertes Format mit klarem Diskussionsrahmen. Die Kritiker:innen nutzen ihre Expertise, um Filme kontextualisiert zu analysieren - von Superhelden-Kapitalismus bis zur kolonialen Blickregie in Amazonien. Besonders bemerkenswert: Die offene Auseinandersetzung mit Zuschauer:innen-Kritik, die die eigene Wahrnehmung infrage stellt. Die Diskussionskultur bleibt respektvoll, auch wenn die Fronten hart verlaufen. Kritikwürdig bleibt die westliche Perspektive auf globale Kino-Phänomene - asiatische Produktionen werden zwar besprochen, aber durch westliche Ästhetikbrillen betrachtet. Die Sendung reproduziert zwar etablierte Machtverhältnisse im Kinojournalismus, bietet aber durch ihre Offenheit für kontroverse Positionen einen wertvollen Beitrag zur Filmdebatte.