Einleitung In dieser Sonderausgabe spricht Roger Köppel mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić über die Eskalationsgefahr im Ukraine-Krieg. Vučić zeichnet ein düsteres Bild: Keine der Kriegsparteien könne oder wolle nachgeben, der Konflikt werde sich im Herbst 2026 weiter zuspitzen. Als selbstverständlich wird gesetzt, dass Kriege zwingend mit Sieg oder Niederlage enden müssten – ein Kompromiss oder Verhandlungsfrieden scheine ausgeschlossen. Vučić präsentiere sich als jemand, der die fatale Dynamik durchschaue, während europäische Politiker:innen in einer Art Gleichschritt die Realität verkennten und den Kontinent in einen größeren Krieg führen würden.
Zentrale Punkte
- Kein Ende ohne Sieg oder Niederlage Vučić behaupte, der Krieg könne nicht aufhören, bevor eine Seite entscheidend gewonnen habe. Alle Beteiligten – Russland, die Ukraine sowie europäische Mächte – seien unfähig oder nicht willens, Kompromisse einzugehen.
- Westen verkennt Putins Eskalationsdruck Er argumentiere, westliche Angriffe auf russisches Gebiet stärkten nicht die Verhandlungsbereitschaft Moskaus, sondern erhöhten den innenpolitischen Druck auf Putin, massiver zurückzuschlagen. Der Westen unterliege hier einer fundamentalen Fehleinschätzung.
Einordnung
Das Gespräch gewährt Einblicke in die Perspektive eines europäischen Staatschefs, der versuche, sich aus dem Konflikt herauszuhalten und zugleich Verbindungen zu beiden Seiten zu pflegen. Seine Erfahrung als Zeitzeuge der Kriege auf dem Balkan verleiht seinen Warnungen vor menschlichem Leid und unkontrollierbarer Eskalation persönliches Gewicht.
Die Problembeschreibung bleibt jedoch stark vereinfachend. Vučić stelle die Unausweichlichkeit militärischer Eskalation als quasi naturgesetzlich dar – dass Kriege auch durch Verhandlungen enden können, selbst wenn kein klarer Sieger feststehe, werde ausgeblendet. Seine eigene Rolle und die serbische Position (militärische Neutralität, aber wirtschaftliche Abhängigkeit von russischem Öl) werden nicht kritisch befragt. Köppel übernehme Vučićs Rahmung vollständig, wonach westliche Politiker „fools“ seien und Europa in eine Katastrophe marschiere. Gegenmeinungen oder differenziertere Analysen fehlen im Gespräch völlig. So entstehe eine geschlossene Erzählung, in der nur eine Seite – die der Warner vor westlicher Naivität – zu Wort komme.
Ein Detail verdeutlicht Vučićs Perspektive auf die europäische Debattenkultur: „It‘s actually forbidden to say something differently“ – er skizziere westliche Einigkeit als erzwungene Gleichschaltung, die abweichende Stimmen bewusst ausschließe.
Hinweis: Die Episode bietet eine Außenperspektive auf westliche Kriegspolitik, argumentiert aber stark vereinfachend und blendet die Komplexität diplomatischer Lösungen aus – wer sie hört, sollte weitere Stimmen einholen.
Sprecher:innen
- Roger Köppel – Moderator, Verleger der Weltwoche
- Aleksandar Vučić – Präsident Serbiens