Diese Episode aus dem Audio-Portal der deutschsprachigen Freien Radios widmet sich der Vorstellung aktueller Jazz-CDs. Der Moderator führt durch verschiedene Neuerscheinungen und ordnet sie in ihre musikgeschichtlichen Zusammenhänge ein. Die Sendung versteht sich als Einblick in eine spezifische Musikszene, wobei das Wissen um Aufnahmeorte, Label und die Vernetzung der Künstler:innen als selbstverständlicher Teil des Genres vorausgesetzt wird.

Im Zentrum stehen Alben US-amerikanischer Gitarristen, die in der Tradition des Hardbop und Orgel-Jazz verortet werden. Der Moderator betont die handwerkliche Qualität der Aufnahmen, etwa die Entstehung im legendären Studio von Rudy van Gelder, und die internationale Vernetzung der Szene, beispielsweise durch die musikalischen Brasilien-Reisen des Gitarristen Mark Tonelli. Auffällig ist eine Passage gegen Ende, in der eine nicht offiziell veröffentlichte CD der ukrainischen Nationalgarde vorgestellt wird. Hier wird die Entscheidung, professionelle Jazzmusiker:innen für eine Militärband von der Front abzuziehen, als ambivalent dargestellt, ohne dass diese ethische Dimension weiter vertieft oder eingeordnet würde.

Zentrale Punkte

  • Jazz-Tradition im Van-Gelder-Studio Dave Strykers Album „Blue Fire“ sei im Studio von Rudy van Gelder aufgenommen worden. Dies sei für den Gitarristen, der früher mit Größen wie Jack McDuff spielte, ein großer Wunsch gewesen, da das historische Studio nur noch auf private Anfrage betrieben werde.
  • Lateinamerikanische Einflüsse im Jazz Die Vorstellung von Mark Tonellis Album „Brasiliana“ zeige, wie lateinamerikanische Rhythmen den Jazz bereichern könnten. Tonelli habe über Jahre Brasilien bereist, um zu lernen, und verbinde nun Hardbop mit brasilianischen Einflüssen zu tanzbaren Eigenkompositionen.
  • Regionale Jazzszene in Gießen Ein Konzerthinweis auf die Band „Acon Cago“ in Gießen betone die tanzbaren, groovigen Rhythmen lateinamerikanischer Musik. Es wird hervorgehoben, dass nach einer Pause wieder regelmäßig Jazz-Veranstaltungen in der Region stattfänden.
  • Kunst und Militär in der Ukraine Die nicht öffentlich vertriebene CD „Quicks and Stars“ der ukrainischen Militärband werfe die Frage auf, ob Musiker:innen an der Front mehr benötigt würden als im Musikchor. Der Moderator räume ein, dass man dazu geteilter Meinung sein könne, stelle die musikalische Qualität aber als hoch dar.

Einordnung

Die Stärke dieser Sendung liegt in der fundierten und beiläufig vermittelten Expertise des Moderators. Er verknüpft die vorgestellten Künstler:innen und Alben mit einer breiten Kenntnis der Jazzgeschichte, erklärt die Entstehungskontexte von Aufnahmen und verweist auf Verbindungen innerhalb der Szene, etwa bei der Nennung von Labelstrukturen oder ehemaligen Kooperationen. Hörer:innen, die einen kuratierten Einblick in aktuelle Jazz-Veröffentlichungen suchen, werden informativ bedient.

Kritisch zu sehen ist, dass die kurze Diskussion um die ukrainische Militär-CD eine ethisch schwierige Frage aufwirft, ohne sie wirklich zu diskutieren. Die Entscheidung, professionelle Musiker:innen von der Front abzuziehen, um eine Militärband zu formen, wird zwar als ambivalent benannt, aber die Andeutung, dass dafür andere Menschen an die Front geschickt würden, bleibt im Raum stehen und wird nicht kontextualisiert. Hier zeigt sich eine fehlende Trennschärfe zwischen einer reinen Albumvorstellung und der unkommentierten Wiedergabe einer politisch-militärischen Logik. Die Perspektive der Betroffenen oder eine kritische Einordnung des propagandistischen Potenzials solcher Bands fehlen.

Sprecher:innen

  • Unbekannter Sprecher – Moderator eines deutschsprachigen Freien Radios mit umfassender Jazz-Expertise