Im Radio-Corax-Interview stellt Regisseurin Susanne Horizon-Fränzel ihren noch unveröffentlichten Dokumentarfilm „Manhattan Connection“ vor. Sie erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte der Lenape und deutscher Herrnhuter-Missionare als spirituelle Begegnung. Politische Strategien der Ureinwohner und die akribischen Aufzeichnungen der Missionare würden heute der historischen Spurensuche dienen. Die Episode bettet das Filmprojekt in dessen jahrelange Entstehung und aktuelle Finanzierungslücken ein.
Zentrale Punkte
- Jahrhundertelanges Zusammenleben kaum bekannt Die Beziehung zwischen Lenape und Herrnhuter-Missionaren über 170 Jahre hinweg sei kaum erforscht. Die Missionare hätten alles dokumentiert, was den Nachfahren der Lenape heute helfe, ihre eigene Geschichte und Landverluste zu rekonstruieren.
- Spirituelle Nähe und strategische Bündnisse Die Lenape hätten die Missionare auch aus politischen Gründen eingeladen, etwa um dem verbreiteten Alkoholproblem zu begegnen. Zugleich habe eine gemeinsame Vorstellung einer direkten Schöpferbeziehung existiert, auf deren Grundlage sich beide Gruppen begegnet seien.
Einordnung
Das Gespräch macht ein unbekanntes Kapitel der Kolonialgeschichte zugänglich und betont die Handlungsmacht der Lenape. Die filmische Erzählung wird jedoch kaum kritisch hinterfragt: Die Machtasymmetrie der Mission und die ständige Vertreibung werden vom harmonisierenden Narrativ des „Zusammenlebens“ überdeckt. Die Perspektive der Filmemacherin dominiert; Stimmen aus der kritischen Forschung zum kolonialen Blick der Missionsarchive fehlen.
Sprecher:innen
- Susanne Horizon-Fränzel – Regisseurin und Produzentin von „Manhattan Connection“
- Radio Corax – Moderation