Anthony Scaramucci und Scott Galloway diskutieren in der Lost-Boys-Folge "What does masculinity mean today?" neue Männlichkeitsbilder. Scaramucci erzählt, wie er als 27-Jähriger von seinem Chef gezwungen wurde, einen 13-jährigen Jungen aus der Bronx zu fördern – was sich als eine der bedeutendsten Erfahrungen seines Lebens herausstellte. Galloway präsentiert sein Konzept konzentrischer Kreise: Selbstfürsorge, Familienverantwortung, Gemeinschaft und langfristige gesellschaftliche Wirkung. Beide betonen, dass echte Männlichkeit nicht vom Geldbeutel, sondern vom Mehrwert für andere abhängt – einem "surplus value", bei dem man mehr gibt als man nimmt. Die Episode wirft auch einen kritischen Blick auf Familiengerichte, die Väter systematisch benachteiligen könnten, und fordert, dass Männer aktiv in das Leben von Jungen ohne Vorbilder eingreifen. Galloway gesteht, dass 90 % seines Selbstwerts bis vor zehn Jahren vom Kontostand abhingen – ein Geständnis, das die gesellschaftliche Überfokussierung auf finanziellen Erfolg offenlegt.

Einordnung

Die Episode funktioniert weniger als journalistisches Format denn als persönliches, fast therapeutisches Gespräch zweier erfolgreicher Männer über Verantwortung und Selbstwert. Die beiden Gastgeber beanspruchen Deutungshoheit über „wahre Männlichkeit“, ohne dabei andere Perspektiven – etwa feministische, queere oder nicht-westliche – einzubeziehen. Die Darstellung von Familiengerichten als systematisch „biased against men“ erfolgt ohne Zahlen oder externe Expertise; ebenso bleibt die These, „Boys need men in their lives“, unreflektiert. Positiv ist die ehrliche Selbstkritik Galloways, die den Druck des ökonomischen Erfolgs als Selbstwertquelle offenlegt. Insgesamt bietet die Folge wertvolle Einblicke in zwei Lebensentwürfe, bleibt aber in seiner Argumentation eindimensional und ohne kritische Gegenstimmen. Hörwarnung: Wer differenzierte gesellschaftliche Analysen erwartet, wird enttäuscht sein; wer persönliche Erfahrungsberichte sucht, findet sie hier authentisch erzählt.