Markus Feldenkirchen und Dagmar Rosenfeld sprechen über ein politisches Wochenende, das von überraschenden, teils radikalen Positionierungen geprägt war. Im Zentrum der Sendung steht die Frage, wie mit der AfD umzugehen sei, wobei nicht nur Uli Hoeneß, sondern auch der ehemalige SPD-Ministerpräsident Torsten Albig für eine Enttabuisierung der Partei plädierten. Gleichzeitig wird die Lage der SPD analysiert, die zwischen staatstragendem Reformanspruch und innerparteilicher Zerrissenheit gefangen sei. Grundannahme des Gesprächs ist, dass die etablierten Parteien ihr Schicksal selbst in der Hand hätten: Gute Regierungsarbeit und präsenter Wahlkampf vor Ort könnten die AfD eindämmen, ohne dass man sie an der Macht scheitern lassen müsse.

Zentrale Punkte

  • Trumps planloser Iran-Krieg Die US-Regierung habe widersprüchliche Kriegsziele kommuniziert, was auf einen „völlig planlosen Krieg“ hindeute. Zwar stünden die USA und der Iran kurz vor einer neuen Waffenruhe, doch die iranische Seite dementiere zentrale Zugeständnisse und wolle die strategisch wichtige Straße von Hormus künftig selbst kontrollieren.
  • Das Kalkül des Scheitern-Lassens Uli Hoeneß halte es für „ganz gut“, wenn die AfD in einem Bundesland regieren würde, damit sie sich als „Schaumschläger“ entlarven könne. Diese Haltung stehe für einen gesellschaftlichen Trend, der das Risiko eines Fehlschlags der AfD in Kauf nehmen wolle, um ihren Mythos zu zerstören.
  • Die SPD als Funktionärs-Partei Es gebe eine große Kluft zwischen den Reformansprüchen von SPD-Chef Klingbeil und dem, was die Parteifunktionäre wollten. Die Partei agiere vor allem für die „reine Lehre“ und setze auf Symbolpolitik, während sie sich verdruckst und unentschlossen zeige, wenn es um konkrete Reformen oder Migrationspolitik gehe.

Einordnung

Die Stärke dieses lockeren, aber pointierten Gesprächs unter Kollegen liegt in der zugespitzten Analyse von Dagmar Rosenfeld, die etwa die widersprüchlichen Kriegsziele der USA klar herausarbeitet und die strategische Erkenntnis des Irans bezüglich der Straße von Hormus betont. Auch die präzise Demontage der SPD, die nicht wisse, ob sie Reformpartei oder Bewahrerin des Status quo sein will, gelingt überzeugend und mit konkreten Beispielen wie der Diskrepanz zwischen Klingbeils Rhetorik und dem Widerstand von Bärbel Bas.

Die Diskussion um den Umgang mit der AfD offenbart jedoch eine argumentative Lücke. Die als gefährlich markierte Position von Albig wird zwar verworfen, doch der darauffolgende Verweis auf bessere Regierungsarbeit und Haustürwahlkampf als Gegenmittel bleibt vage und wird nicht an den möglichen realen Folgen einer AfD-Regierungsbeteiligung gemessen. Dass Hoeneß' Forderung, die AfD an die Macht zu lassen, als „Tendenz unserer Gesellschaft“ relativiert wird, ohne die demokratiezersetzenden Risiken einer solchen Machtübergabe tiefgehender zu problematisieren, zeigt eine gewisse Nonchalance im Umgang mit dem Thema. Wie Rosenfeld selbst einräumt: „Darauf haben die Parteien noch keine Antwort gefunden und ehrlich gesagt, ich habe sie auch nicht.“ Diese Ehrlichkeit ist sympathisch, zeigt aber auch, dass das Gespräch an seine analytischen Grenzen stößt.

Sprecher:innen

  • Markus Feldenkirchen – Host, politischer Autor und SPIEGEL-Reporter
  • Dagmar Rosenfeld – Gast, Journalistin und Co-Host des Podcasts „Machtwechsel“