In der Episode „Antisemitismus nach dem 7. Oktober“ diskutieren Ahmad Mansour und Oliver Mayer-Rüth mit Dr. Phillip Hildmann vom Bündnis für Toleranz in Bayern. Es geht um die Frage, wie über Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit gesprochen wird und wo Toleranz enden müsse. Der Einstieg setzt eine zentrale Annahme: Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ sei ein Kampfbegriff, der legitime Islamkritik mit Diskriminierung vermische. Auch werde die Gleichsetzung von Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit nach dem 7. Oktober als realitätsfern markiert.
Zentrale Punkte
- Begriff antimuslimischer Rassismus als Kampfbegriff Mansour bezeichne den Begriff als Kampfbegriff; Muslime seien keine Rasse. Islamkritik und Diskriminierung würden so vermischt. Nach dem 7. Oktober sei Symmetrie realitätsfern.
- Alltagsdiskriminierung und geschlossene Beratungsstellen Eine kopftuchtragende Lehrerin werde als Extremistin beschimpft, berichte Hildmann. Mansour erzähle von eigener Wohnungs- und Jobsuche. Oberfränkische Beratungsstellen seien Januar 2024 geschlossen worden.
- Antisemitismus als europäisches Erbe Antisemitismus in der arabischen Welt gehe auf europäische Vorbilder zurück und habe sich mit religiösem Antijudaismus vermischt. Nach dem 7. Oktober zeige sich ein Flächenbrand von Israelhass.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt in der Verknüpfung von persönlicher Erfahrung und zivilgesellschaftlicher Praxis. Hildmann liefert konkrete Beispiele und historische Einordnung, etwa zur europäischen Herkunft antisemitischer Muster im Nahen Osten. Dadurch wird die Diskussion um Antisemitismus nicht auf eine einzelne Gruppe verengt. Die Schilderung der gescheiterten Beratungsstellen macht strukturelle Leerstellen sichtbar.
Kritisch bleibt, dass Mansours Einordnung des Begriffs „antimuslimischer Rassismus“ als „Kampfbegriff“ die wissenschaftliche Debatte um diesen Begriff nicht aufgreift. Seine Argumentation setzt Antisemitismus und antimuslimische Diskriminierung als rivalisierende Größen – obwohl die Episode zugleich polarisierenden Wettbewerb kritisiert. Mansour argumentiert mit kategorischen Setzungen, etwa: „Die Muslime sind keine Rasse.“ Strukturelle Diskriminierung bleibt anekdotisch.
Hörempfehlung: Für alle, die eine praxisnahe Perspektive auf zivilgesellschaftliche Arbeit gegen Antisemitismus und Diskriminierung suchen.
Sprecher:innen
- Ahmad Mansour – Autor, Psychologe, arbeitet gegen Islamismus
- Oliver Mayer-Rüth – Journalist (BR)
- Dr. Phillip Hildmann – Leiter des Bündnisses für Toleranz in Bayern, Theologe