# Kernpunkte In diesem Psychotherapie-Podcast "Stahl aber herzlich" spricht die Psychotherapeutin Stefanie Stahl mit Carla über deren Bindungsängste und Beziehungsmuster. Carla beschreibt ihre Probleme beim Aufbau gesunder romantischer Beziehungen, die sie auf ihre Kindheitserfahrungen mit ihrer Mutter und Großmutter zurückführt. ### 1. Ambivalente Bindungserfahrungen in der Kindheit als Ursache für Beziehungsprobleme Carla habe als Kind zwei gegensätzliche Bindungserfahrungen gemacht: zu wenig emotionale Nähe von ihrer Mutter und zu viel Vereinnahmung durch ihre Großmutter. "Diese fehlende emotionale Verfügbarkeit und diese fehlende Nähe kenne ich von meiner Mutter. Und die Angst vor Vereinnahmung, vor Kontrolle, Bedrängnis kenne ich von meiner Oma", erklärt Carla. Diese Ambivalenz präge bis heute ihr Beziehungsverhalten. ### 2. Muster der Verliebtheit in unerreichbare Personen Carla habe sich wiederholt in Frauen verliebt, die bereits vergeben oder nicht verfügbar waren. "Die Frauen, in die ich mich verliebt habe, die waren ja in einer Beziehung. Also die waren gar nicht wirklich frei und auch hetero zum Teil." Stefanie Stahl deutet dieses Muster als Schutzmechanismus: "Da, wo es schwierig ist und die so ein bisschen unerreichbar sind, die fühlen sich dann wie die große Liebe an." ### 3. Angst vor Erwartungen und Naheverlust der Autonomie In Beziehungen entwickle Carla schnell das Gefühl, unter Druck zu stehen oder ihre Autonomie zu verlieren: "Ich fühle mich ihr schnell eingeengt [...] Es fühlte sich an wie so ein Fass ohne Boden, weil ich habe gegeben, das, was ich wollte und konnte. Aber es schien irgendwie nicht genug zu sein." Laut Stahl sei dies ein typisches Muster bei Menschen mit Bindungsängsten. ### 4. Überinterpretation und Projektionen in Beziehungen Stefanie Stahl erkläre, dass Carla aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen "viel zu viele Antennen entwickelt" habe und kleine Konflikte überinterpretiere: "Was du ja machst, weil du von Kindesbeinen an trainiert bist, ist ja im Grunde permanent zu interpretieren und die Antennen auszufahren. [...] Das heißt, du hast natürlich auch Projektion und Fehlinterpretation." ### 5. Der Wunsch nach Verbindung bei gleichzeitiger Freiheit Trotz ihrer Bindungsängste sehne sich Carla nach einer erfüllenden Beziehung: "Ich würde super gerne in einer Beziehung mich verbunden fühlen und trotzdem aber gleichzeitig auch das Gefühl haben, dass ich frei bin. Ich hätte gerne beides." Dies sei nach Stahl möglich, wenn Carla ihre alten Muster erkennt und überwindet. ## Einordnung Dieser Therapie-Podcast fokussiert auf die psychologischen Mechanismen, die hinter Bindungsängsten und problematischen Beziehungsmustern stehen. Stefanie Stahl zeigt dabei einfühlsam auf, wie frühe Beziehungserfahrungen das Erwachsenenleben prägen können. Ihre Erklärungsansätze entstammen der Bindungs- und Trauma-Theorie, die sie alltagstauglich erklärt. Besonders die Verbindung zwischen Autonomiebedürfnis und Bindungswunsch wird differenziert betrachtet. Der Podcast bietet einen wertvollen Einblick in therapeutische Prozesse und das Erkennen eigener Verhaltensmuster. Stahl vermeidet dabei pathologisierende Zuschreibungen und betont stattdessen die Entwicklungsfähigkeit und Möglichkeiten zur Veränderung. Sie arbeitet ressourcenorientiert, indem sie Carlas Selbstreflexionsfähigkeit würdigt und auf bestehende Fortschritte hinweist: "Ich denke, ihr seid auf einem guten Weg, dass ihr im Gespräch seid." Während das Format tiefgreifende psychologische Themen zugänglich macht, bleibt die Analyse manchmal an der Oberfläche von Ursache-Wirkungs-Beziehungen und könnte komplexere systemische oder gesellschaftliche Faktoren stärker einbeziehen. Die Individualisierung psychischer Probleme folgt dabei einem westlichen therapeutischen Paradigma. Dennoch bietet der Podcast durch die konkrete Fallarbeit wertvolle Identifikationsmöglichkeiten für Hörer:innen mit ähnlichen Erfahrungen. Hörempfehlung: Die Episode bietet wichtige Erkenntnisse für Menschen mit Bindungsängsten und jene, die verstehen möchten, wie frühe Beziehungserfahrungen unser Erwachsenenleben beeinflussen.