In dieser Episode der Sommerserie über Lugano führt Christoph Mörgeli durch die Tourismusgeschichte der Stadt. Im Mittelpunkt steht das Grand Hotel Palace, von dessen Prachtbau heute nur noch die denkmalgeschützte Fassade erhalten ist. Mörgeli zeichnet nach, wie verbesserte Verkehrswege – die Dampfschifffahrt, der Gotthardtunnel, Standseilbahnen – Lugano ab dem späten 19. Jahrhundert für Reisende erschlossen. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei, dass wirtschaftliches Wachstum durch Tourismus ein vorbehaltlos positives Ziel sei; die Schattenseiten wie steigende Preise für Einheimische werden lediglich am Rande gestreift, ohne sie kritisch zu vertiefen.
Zentrale Punkte
- Deutsche als frühe Gästegruppe Deutschschweizer und Deutsche hätten früh das Potenzial Luganos erkannt; nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Schweiz ein willkommener Ort für Deutsche gewesen, um wieder Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden, was mit Verweisen auf die Fußball-WM 1954 untermalt werde.
- Das Grand Hotel Palace als Symbol Der Bau des Grand Hotel Palace durch die Brüder Giani Mitte des 19. Jahrhunderts habe den Beginn der großen Hotellerie markiert; nach Schließung 1970 sei es zur Ruine verkommen, bis ein Neubau hinter der erhaltenen Fassade Luxuswohnungen und ein Kulturzentrum schuf.
Einordnung
Die Episode bietet eine detailreiche, anschaulich erzählte Lokalgeschichte und vermittelt fundiertes Wissen über die bauliche und verkehrstechnische Entwicklung Luganos. Mörgeli gelingt es, die touristische Blütezeit um 1900 und die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Stadt nachvollziehbar darzustellen.
Die Darstellung bleibt stark auf architektonische und infrastrukturelle Faktoren fokussiert. Gesellschaftliche oder kulturelle Aspekte des Tourismus – etwa das von Mörgeli nur kurz erwähnte Problem kalter Betten und steigender Preise für Einheimische – werden nicht vertieft. Die fast affirmative Beschreibung Deutschlands als Sehnsuchtsland der Deutschen nach 1945 blendet die spezifische historische Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg aus, ohne dies kritisch einzuordnen. Ein unvermittelter Seitenhieb auf „gewisse Klima-Alarmisten“ am Ende, der die Eiszeit als Argument gegen heutige Klimasorgen bemüht, unterbricht den ansonsten harmonisch-touristischen Duktus und ist argumentativ nicht in die historische Darstellung eingebunden.
Hörempfehlung: Für geschichtlich und architektonisch interessierte Hörer:innen bietet die Episode eine kurzweilige, kenntnisreiche Einführung in die touristische Erschließung Luganos.
Sprecher:innen
- Christoph Mörgeli – Historiker, Medizinhistoriker und ehemaliger SVP-Politiker