Die Episode beleuchtet zwei Seiten der digitalen Kontrolle: den kommerziellen Handel mit Standortdaten und staatliche Überwachungspläne. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass Nutzerdaten in der digitalen Wirtschaft primär als Handelsware fungieren, deren Schutz den Einzelnen überlassen bleibt. Bei den polizeilichen Befugnissen wird Sicherheit als Ziel dargestellt, das unausgewogen gegen Grundrechte abgewogen werden müsse, wobei die Machtasymmetrie zwischen Staat und Bürger:innen zentral thematisiert wird.
Zentrale Punkte
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Standortdaten als handelbare Ware Standortdaten flössen über Apps massenhaft an Datenbroker, teils ohne Einwilligung. Dies geschehe durch Echtzeit-Auktionen oder Software-Pakete. Trotz behaupteter Pseudonymisierung ließen sich daraus Bewegungsprofile erstellen.
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Missbrauchspotenzial und Schutzlücken Die Daten könnten von Geheimdiensten, Kriminellen oder politischen Akteur:innen missbraucht werden. Als Lösung werde gefordert, Nutzer:innen per Gesetz einen zentralen Hebel im Betriebssystem zu geben, um Tracking deaktivieren zu können.
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Staatliche Gesichtserkennung als Eingriff Die Bundesregierung plane den biometrischen Abgleich von Fahndungsfotos mit Internet-Bildern. Dies werde als massiver Grundrechtseingriff kritisiert. Die behauptete sofortige Datenlöschung gelte als unrealistisch und diene als rechtliches Feigenblatt.
Einordnung
Die Episode liefert eine fundierte Einordnung der Datenökonomie und staatlicher Überwachung. Ihre Stärke liegt in der anschaulichen Erklärung komplexer Mechanismen wie Realtime Bidding und der klaren Benennung der Machtasymmetrie zwischen Bürger:innen und Staat.
Problematisch bleibt, dass bei den Datenbrokern die Perspektive der Profitierenden fehlt und bei den polizeilichen Befugnissen die Sicherheitsbehörden selbst nicht zu Wort kommen. Die Widersprüchlichkeit der Politik wird deutlich, wenn geplante Gesetze als „technisch sehr an der Praxis vorbei geredet“ entlarvt werden. Für an digitalen Bürgerrechten Interessierte bietet die Folge lohnende Einblicke.
Sprecher:innen
- Vera Linß – Moderatorin
- Marie Zinkern – Breitband-Redakteurin
- Hagen Terschüren – Breitband-Redakteur
- Pia Sombetzki – AlgorithmWatch